Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Jugendnot in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 52 (sequence 3)
- Language
- German
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Moses Calvary Streiks gegen sie richtete.) Es gilt, sich vor Übertreibungen zu hüten. Die Verdienste der Lehrer sind groß, und fast alles, was bisher im hebräischen Schulwesen geleistet wurde, ging von ihnen aus, nicht etwa, oder doch nur vereinzelt, von den leitenden Persönlichkeiten der Zionistischen Organisation. Die alte Liebe zum Hebräischen und zur Bibel, die sie vor dem Kriege zu den größten Opfern und enthusiastischen Leistungen im Kampfe um die hebräische Schule befähigte, ist nicht erloschen. Die Bibel ist das Buch, in dem die Kinder leben, aus ihm heraus verstehen sie den Menschen, das Land, das Volk, die Geschichte. Hebräisch ist ihnen da's höchste Ziel, und wenn im Kampfe um dies Ideal der Eifer der Jugend manchmal über das Ziel schießt, so mag sie auch hier der Träger eines tiefen Volks willens sein: schließlich hat doch nur diese eifernde Jugend mit ihren Lehrern, im Bunde mit den Arbeitern, das lebendige Hebräisch ermöglicht. Dieser literarischen Einstellung der Lehrer verbindet sich seit einigen Jahren eine andere Richtung: Landeskunde; die jüngeren Lehrer fingen an, sich unter diesem Gesichtspunkt besonders mit Botanik, Zoologie, Geographie, Geologie zu befassen, Dinge, die ihnen im allgemeinen ursprünglich ferner lagen. Hier bedarf es freilich noch entschiedener Anleitung und Ausbildung. Mit Physik, Chemie, mit den sogenannten technischen Fächern liegt es noch etwas im Argen, auch hier bedarf es noch der Fortbildungskurse. Die Losung der Arbeitsschule hat viele junge Kräfte beeinflußt, die Ausstellung vor ein paar Jahren gab zwar nicht gerade ein Bild dessen, was im allgemeinen geleistet wird — vieles wrar ad hoc gearbeitet — aber sie bot vielfache Anregung. Das Problem von Arbeit und Schule ist bei weitem nicht gelöst, so wenig wie in Europa, noch immer ist im Grunde die deutsche, russische, schweizerische Schule das eigentliche Vorbild, und zwar nicht die fortschrittliche, sondern die erstarrte der Vorkriegszeit; aber in den alljährlichen Ferienkursen, an denen sich sehr viele Lehrer beteiligen, versucht man eine Erneuerung des Schulwesens. Die Lehrer der Anfangs'klassen bemühen sich in besonderer Organisation um die Probleme dieses wichtigen Unterrichts. Einzelne Schulen versuchen sich einen Stab von Lehrern zu schaffen, die vorwärts drängen. Anfänge von Landwirtschaft gibt es fast in allen Dörfern, und die Schulen im Emek sowie das dortige Kinderdorf weisen schöne Leistungen auf. Aber wir sind streng in unseren Forderungen an Palästina. Uns genügen diese Anfänge nicht. Und man kann die Lehrerschaft nicht frei von Schuld an der Stagnation der Schule sprechen. Jener Geist des Pioniertums, der sie vor dem Kriege beseelte, ist 52