Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Jugendnot in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 51 (sequence 2)
- Language
- German
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Jugendnot in Palästina dem Gewordenen zusteht; der handelnde Mensch, der wollende, nicht der betrachtende, findet hier seinen Platz, und im Grunde ist nur für Glaubende Raum in unserer Mitte. So schreiten die Menschen hier vorwärts, ohne immer alles zu verstehen, was um sie herum vorgeht, alle die Gegensätzlichkeiten der Personen, der Milieus, der Herkunftsländer, der Weltanschauungen, dem unbekannten Ziele zu, im Dunkeln, und doch des Weges sicher. Unter diesem Vorbehalt muß alles gelesen werden, was über Palästina ausgesagt wird, unter diesem Vorbehalt sind folgende Zeilen geschrieben worden. — Was geschieht in dem Prozeß, den das neue jüdische Palästina darstellt, für die Jugend? Wie weit sind unsere Volksschüler vorbereitet, in das vorwärtsschreitende Palästina sich einzureihen? Welche Bedingungen sind vorhanden, um die volksschulentlassene Jugend weiterzuführen, bis sie ihren Platz in dem produktiven Leben des Landes einnehmen kann? Und wie reagiert die Jugend auf diese Einrichtungen? Die Antwort ist erschreckend. Einen Schulzwang gibt es nicht. Daß viele keine hebräische Schulen besuchen, sondern fremdsprachige, darunter solche der offenen oder versteckten Mission, ist ein besonderes Kapitel; sie haben das Ideal des J^evantinismus, daß man vor allem Sprachen beherrschen muß, um eine Rolle im Leben zu spielen, und hebräisch lernen sie ja a!uch ohne die Schule auf der Straße. Die hebräische Volksschule oder den Cheder verläßt ein hoher Prozentsatz mit zehn Jahren, Jungen, um ein Handwerk zu lernen, Mädchen, soweit sie überhaupt eine Schule besuchen, um zu Hause zu arbeiten, vielleicht später in Stellung zu gehen oder zu heiraten. Aber ein Teil besucht immerhin die hebräische Volksschule bis zu Ende. Die Ausbildung der Mädchen ist damit vielfach abgeschlossen, sie bleiben zu Hause und warten auf den Mann, ein Teil geht, ungern, in Stellung oder lernt nähen. Die Jungen lernen ein Handwerk. Wer nur ein wenig begabt ist, Junge oder Mädchen, scheut diese Laufbahn und ist ratlos. Die wertvollen unter ihnen fühlen durchaus die Welle der Erneuerung, die durch das jüdische Volk geht, aber ihr Bestreben ist, weiter zu lernen, wie sie es bisher in der Schule gewohnt waren* Realschule, Gymnasien, Lehrer- und Kindergärtnerinnenseminar locken, im Hintergrunde winkt die Universität. Ein kleiner Teil hat, oft unter schweren Opfern an Geld und Gesundheit, die Möglichkeit dazu. Welches sind die Ursachen dieses Zustandes? Man beschuldigt vielfach die Lehrer der Volksschulen. (Ich erinnere besonders an den scharfen Angriff, den M. Smilanski angesichts des Lehrerd1 5i