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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 49

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Das Kinderdorf im Emek Jesreel
Date
1925-01-01
Page
49 (sequence 14)
Language
German
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Das Killderdorf im Emek Jesreel An der Diskussion nahmen außer den sieben Mitgliedern der Exekutive fünfzehn Kinder teil. Ich habe ihre Worte hier beinahe wörtlich gebracht. Wir bemühen uns, ein möglichst genaues Protokoll zu führen und darin möglichst alles so zu verzeichnen, wie es gesagt wurde. Aus diesem Protokoll kann man ersehen: 1. Man versteht sehr gut den Unterschied zwischen Kritik und Verächtlichmachung. 2. Sehr energisch wird die moralische Forderung vertreten, daß man bei sich selbst anfangen solle; daß die Exekutive nichts bessern kann, wenn sie sich nicht selbst bessert. 3. Man beginnt den Begriff der Entwicklung zu verstehen: man kann Verbesserungen nicht auf einmal einführen, es handelt sich dabei um einen langsamen, fortgesetzten Prozeß. Die neue Exekutive setzt das Werk der alten fort und macht sich deren Erfahrungen zunutze. 4. Die Exekutive muß gerecht sein und darf niemand bevorzugen. 5. Bei den Wahlen muß man sich von der Erkenntnis des öffentlichen Nutzens leiten lassen. Man darf nicht den wählen, der einem gefällt, sondern den, der fähig ist, der Gesamtheit zu nützen. 6. Es wurde scharfe Kritik auch an solchen Gefährten geübt, die nicht der Exekutive angehörten. 7. Man erkannte, daß mit der Einsetzung der Exekutive sich das ganze Leben geändert habe; einer fügte hinzu, zum Guten. Ich möchte noch bemerken, daß sich die meisten Teilnehmer an der Diskussion im Alter von 13 bis 14 Jahren befanden. Es entsteht die Frage: warum hat derjenige Teil der Leiter, der die damalige Lebensform kritisierte, nicht die Notwendigkeit einer Änderung im obigen Sinne erkannt? Die Antwort ist: weil die bestehende pädagogische Auffassung sich auf eine ein für alle Mal feststehende und umgrenzte Sache bezieht. Wir sehen vor unseren Augen immer einen Schüler, der etwas beendet hat: eine Volksschule, ein Gymnasium, eine Real- oder Handelsschule. Er geht in die oder die Klasse usw. Alles erhält seine Abstempelung, alles ist festgelegt, ja versteinert. Die neue Erziehung dagegen rechnet mit einem ununterbrochenen Prozeß, mit dynamischen Verhältnissen. Noch eines: die gegenwärtige praktische Pädagogik sieht in dem Lehrer jemanden, der dem Schüler Kenntnisse übermittelt, die dieser ganz genau zu wiederholen hat. Allgemein bekannt ist ja der Lehrer, der verlangt, daß der Schüler genau nach dem Buche wiederholen soll, wie es geschrieben ist, ohne eini-Tipfelchen zu verändern. Schwer ist es für sie, sich an eine Lebensauffassung zu gewöhnen, die mit jenem Kern von Originalität in jedem Schüler rechnet, der sich plötzlich einmal offenbaren kann und zwar gerade in einer Umgebung, die solche Offenbarungen hervorrufen kann. Ich muß gestehen, daß der Gedanke 4 Der Jude, IX, Sonderheft II. 49

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