Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das Kinderdorf im Emek Jesreel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 46 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Sch. S. Pugatschow Mitglieder der Exekutive, drang in die Sitzung des Waad ein und begann zu schelten. Die Exekutive beschäftigte sich in ihrer Sitzung mit diesem Vorfall und beschloß, den Betreffenden zu zwingen, sich bei der Exekutive in einer allgemeinen Versammlung zu entschuldigen. Interessant war vom psychologischen Gesichtspunkt aus der innere Kampf an dem Tage, an dem die Exekutive dem Jungen mitteilte, daß er sich bei ihr in der allgemeinen Versammlung zu entschuldigen habe. Von diesem Kampf machte der Junge nachher eine symbolische Zeichnung als Anfang für die in Kfar Jeladim herausgegebene Zeitung. In dieser Zeichnung sieht man Kfar Jeladim, Arbeitsgeräte, Arbeitstiere, Bäume, den ganzen Hof. Zwei Engel stehen da, ein schwarzer und ein strahlend weißer. Der schwarze zieht einen Strick und will das Dorf zum Umsturz bringen, und der helle steht und bezwingt ihn. Auf meine Frage, was die Zeichnung zu bedeuten habe, erzählte er mir, daß das ein Sinnbild seines inneren Kampfes in der Stunde gewesen war: die eine Kraft sagte ihm, er solle sich nicht dem Beschluß der Exekutive unterwerfen und nicht um Verzeihung bitten (und das bedeutete nach seiner Ansicht auch den Zusammenbruch des Kinderdorfes), während der zweite Engel ihn zu überreden versuchte, sich der Gesamtheit zu unterwerfen, und das war die Rettung des Dorfes. Am Schluß siegte das Gute über das Böse und er teilte in der allgemeinen Versammlung mit, daß er sein früheres Tun bereue. Das war der erste Sieg der Autonomie, der erste Sieg der Selbstherrschaft. Das folgende Protokoll einer allgemeinen Versammlung soll als Illustration für das öffentliche Leben dienen: Der Sekretär der Exekutive: Nach einer Arbeit von drei Monaten komme ich im Namen der Exekutive, um über unsere Tätigkeit Bericht zu erstatten. 1. E ß s a a 1. Es war stets Lärm im Eßzimmer. Es war notwendig, daß ein Leiter klopfte und verlangte, daß jetzt Ruhe sein solle. Die Exekutive kam mit dem Vorschlage zu der allgemeinen Versammlung, man solle die Tischordnung so regeln, wie es in den Lerngruppen bereits geschieht. Dieser Antrag wurde angenommen; es wurde für jeden Tisch einer bestimmt, der für diesen Tisch verantwortlich sein sollte. Aber auch das gelang nicht; schließlich wurde beschlossen, daß die Mitglieder der Exekutive, ihre Stellvertreter und die Mitglieder des Gerichts die Ordnung im Eßsaal aufrecht erhalten sollten.1) x) Am Anfang des Jahres wurden die Kinder für den Unterricht in Kwuzoth eingeteilt, und die Verantwortung für die Fortschritte der neuen Kinder wurde auf die gesamte Kwuzah gelegt. Das Verhältnis der Kinder zu den Kwuzoth war ein sehr ernsthaftes. 46