Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das Kinderdorf im Emek Jesreel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 45 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Kinderdorf im Emek Jesreel hervortreten zu lassen. Es ist klar, daß der gute Wille und die klare Erkenntnis Möglichkeiten auch unter diesen wirtschaftlichen Bedingungen fanden. Aber dafür war erforderlich, daß die Gesamtheit der Arbeitenden konkrete Erziehungsideale hatte, deren Tendenz die Befreiung des Kindes von den Banden ist, die die Erwachsenen in ihrer sogenannten Liebe dem Kinde auferlegt hatten. Leider gibt es nur wenige Erzieher mit diesem Ideal und besonders wenige unter den Juden. Mehr als notwendig unterliegen wir den Prinzipien der Tradition, und um sich davon loszumachen, ist eine innerliche Befreiung notwendig, eine völlige Revolution der Seele, zu der in diesem Augenblick nicht viele fähig sind. Es ist kein Wunder, daß einige von den Arbeitenden zu kritisieren begannen, die Autonomielehre tadelten und die Tatsachen umfälschten. Da stehe die Exekutive und erstatte Bericht über ihre Arbeit und zähle in ihrer Tätigkeit auf: den Empfang von Balfour, den Empfang des High Commissioners, die Organisierung eines Ausflugs usw., in Wirklichkeit aber sei alles gar nicht so, alles sei vom Sekretariat durchgeführt und organisiert worden. Und die Exekutive steht und klagt, die Leiter organisierten Verschiedenes, ohne sie hinzuzuziehen; man gebe ihr keinerlei Möglichkeiten zur Initiative. Es ist die alte klassische Beschwerde: „Stroh gibt man uns nicht, und dann sagt man: macht Ziegell" Aber trotz allem: die Tendenz, sich von den Fesseln zu befreien, war klug, der Wille, selbständig zu werden, gewaltig. Dies war das große Ziel im Leben und das war es, was vielen bei der inneren Organisierung der Gemeinschaft half. Im Anfang des Bestehens der Kommissionen war es ihre Bestimmung, sich im Leben der jungen Gemeinschaft einen Platz zu erobern. Eine Gemeinschaft von mehr als hundert Kindern ist reich an allen Arten von Typen: es gibt Spötter, für die jede Sache nur ein Gegenstand von Hohn oder von Spielerei ist, es gibt solche, die nicht verstehen und mit der neuen Welt keinen Frieden schließen wollen; wozu gibt es alle diese mit Ämtern beauftragten Gefährten? Erwachsene Beamte, ja das ist etwas, was zu den überkommenen und verständlichen Dingen gehört, aber Kameraden, wie kann man denen gehorchen? Und es gab viele, die die alten klassischen Worte wiederholten: ,,Was können diese uns helfen?" Folgendes ereignete sich z.B.: Die neue Exekutive verteilte die Arbeit für den Monat mit Hilfe des Arbeitsbüros und einer der Jungen wurde zu einer wenig verantwortlichen Arbeit bestellt, weil nach Ansicht der Exekutive er nicht genug Verantwortlichkeitsgefühl zeigte. Er hörte zufällig die Unterhaltung der 45