Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das Kinderdorf im Emek Jesreel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 44 (sequence 9)
- Language
- German
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Seh. S. Pugatschow gebnis der Arbeit. Das führte zur Notwendigkeit äußerer Disziplin, zu Befehlen, zu unaufhörlichen Forderungen, zu Klagen über Verschwendung; denn man scheidet nicht zwischen Notwendigkeit und Möglichkeit. Die alte Pädagogik rechnet eben nicht mit dem Termin, von dem an ein Kind erst etwas Bestimmtes kann. Die alte Pädagogik fordert und klagt ständig, ist ungeduldig, hat kein Verständnis und kein Gefühl für einen Entwicklungsprozeß. Alles muß auf Grund von Befehlen und von äußerer Disziplin geschehen, jede natürliche Offenbarung der Kindheit wird von ihr unterdrückt und statt dessen werden Pflichten statuiert; dafür betont sie die Distanz zwischen Lehrer und Schüler, und all das zum „Besten" der heranwächsenden Generation. Diese überkommene Methode war natürlich auch den Leitern der Arbeit im Kinderdorf sehr vertraut. Aus diesem Grunde war unmöglich zu erwarten, und ist es noch heute, daß man der Exekutive einen wirklich weiten Betätigungskreis anvertraute, daß man ihr soviel Vertrauen entgegenbrachte, um ihr materiellen Besitz anzuvertrauen; denn es handelt sich doch hier um eine große Wirtschaft und die will man nicht gebrauchen als ein Mittel, ,,den Menschen leben zu lehren", wie es der Oberkommissar von Palästina Herbert Samuel in seiner Rede über Kfar Jeladim glücklich definiert hat. Deshalb kann man nicht sägen, daß sich die Autonomie in natürlicher Weise entwickelt und erweitert hat, sondern man muß zugestehen, daß sie nur möglich war, indem man Betätigungsmöglichkeiten außerhalb der materiellen Interessen der Wirtschaft suchte. Der natürliche Konflikt zwischen Bedürfnis und Möglichkeit, zwischen Wille und Möglichkeit oder richtiger gesagt zwischen den Gedanken, daß alles dem menschlichen Erziehungsziel unterworfen ist, und der Anschauung, daß alles den Interessen der Wirtschaft sich unterzuordnen hat, besteht unaufhörlich. In den Kreis der Interessen der Autonomie fiel die Aufsicht über die innere Ordnung und über den Eßsaal, die Zeit für Schlafen und ins Bett gehen, die Erfüllung der Verpflichtung zur Arbeit und zur Bildung, das Sanitätswesen, die Verteilung der Arbeit unter die Kinder, usw. Und wenn so der Gedanke der Selbstherrschaft die erzieherische Grundlage im Leben des Kindes war und die Seele des gesamten arbeitenden Körpers erfüllte, so war es möglich, für den Aufbau der Autonomie eine wirkliche Grundlage zu finden. Aber es ist verständlich, daß sich nicht alle für diesen Gedanken begeistern konnten. Das Leben in der Wirtschaft erfordert die Bewältigung eines gewissen Arbeitsquantums und es war deshalb schwer, in der Zeit konzentrierter Arbeit den erzieherischen Gedanken darin 44