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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Das Kinderdorf im Emek Jesreel
Date
1925-01-01
Page
43 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Das Kin.derd.orf im Emek Jesreel Ende Tischri begann die neugewählte Exekutive ihre Tätigkeit nach den in der Verfassung niedergelegten Prinzipien. Worin bestand ihre Tätigkeit in dieser Kinderrepublik? Was tat sie, um die Gemeinschaft zu organisieren und zu vereinheitlichen? Dies ist die entscheidende Hauptfrage. Die Organisierung von Kindern erfordert eine Reihe konkreter Handlungen, tägliche Bedürfnisse verlangen Bemühung, Konzentration der Gedanken, Entwicklung des Willens. Man darf den Tätigkeitsbereich nicht begrenzen und einschränken, sondern im Gegenteil: Wer den kindlichen Interessenkreis erweitert und vergrößert, wer ihre Interessen und ihre Tätigkeit vermehrt, der vergrößert ihre Erkenntnis und innere Disziplin, entwickelt ihre Initiative, ihre Kraft zu schaffen und zu verwirklichen. Natürlich muß das pädagogische Gefühl hier helfen, daß die Kinder sich nicht auf Abwege begeben oder zu Übertreibungen neigen; doch im allgemeinen entsteht ein ernstes Verhältnis der Kinder zu ihren Pflichten und ihrer Verantwortlichkeit als das Ergebnis wirklicher Erkenntnis der bestehenden Ordnung. Kinder wollen sich nicht mit den Dingen nur zum Schein beschäftigen; ihre Kräfte und ihre Energie erfordern reale Stoffe, die sie packen und ordnen können. Eine große wertvolle Aufgabe erweckt seelische und körperliche Kräfte, die uns vorher nicht offenbar waren. — Das Kinderdorf (hebräisch: Kfar Jeladim) oder, mit seinem früheren Namen Alt-Balfouria, war nur gegründet worden, um ein Waisenhaus auf landwirtschaftlicher Grundlage zu errichten. Dies kann an und für sich als Fortschritt angesehen werden: Kinder aus den Mauern der Städte herauszuholen, sie aufs Land zu bringen und zu landwirtschaftlicher Arbeit zu führen, das ist ein großer und wichtiger Schritt. Aber die Gründer und Führer gingen auch hier auf dem üblichen ausgetretenen Wege und stellten das ganze Leben in der Anstalt auf das Bedürfnis ab, ohne die Fähigkeit in Rechnung zu ziehen, wie jede Schule sich Aufgaben stellt, die außerhalb der durch die Fähigkeiten der Kinder gegebenen Grenzen liegen. (Natürlich aus dem üblichen Grunde: man müsse sie zu ihrem Besten auf das Lehen vorbereiten.) Deshalb wurde in Kfar Jeladim die Arbeit oder, richtiger gesagt, das Resultat der Arbeit, als wichtigste Leistung der Erziehung betrachtet. Und wie man im Gymnasium nicht auf den äußeren Zwang achtet, dem der Schüler unterliegt, bis er sein Examen besteht, weshalb Strafen eine legale Einrichtung in den Schulen und Erziehungsanstalten geworden sind, so kümmerte man sich im Kinderdorf nicht um den Arbeitsprozeß als ein Mittel zur Entwicklung der Gemeinschaft, sondern in erster Linie um das Er- 43

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