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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Das Kinderdorf im Emek Jesreel
Date
1925-01-01
Page
42 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Sch. S. Pugatschow c) Änderungen und Zusätze zur Verfassung können nur durch die allgemeine Versammlung erfolgen. 7. Tätigkeit und Zusammensetzung der Exekutive. a) Die Exekutive wird in direkter geheimer Wahl von der allgemeinen Versammlung gewählt und besteht aus sieben Mitgliedern. b) Die Exekutive bestimmt einmal monatlich mit Hilfe eines der Leiter die verschiedenen Kommissionen für öffentliche Arbeiten. c) Die Exekutive beruft einmal im Monat zwecks Berichterstattung der Kommissionen die allgemeine Versammlung ein. d) Die Exekutive wacht über die Ordnung des Gemeinschaftslebens im Dorf. e) Die Exekutive überwacht auch die Verpflichtung aller Mitglieder zum Erwerb der Elementarbildung. f) Die Exekutive überwacht die Tätigkeit der Wirtschafts- und Kulturkommissionen. g) Die Exekutive tritt mindestens einmal wöchentlich und außerdem im Bedarfsfall zu Sitzungen zusammen. h) An der Spitze der Exekutive steht ein dreigliedriges Sekretariat. So wurde nach Durcharbeitung des Stoffes in mehreren Versammlungen die Verfassung als Grundlage für den Aufbau eines Gemeinschaftslebens im Kinderdorf angenommen. Von nun an begannen die Kinder ein demokratisches Leben: die meisten Angelegenheiten mußten von ihnen selbst entschieden werden. Danach wurde die allgemeine Versammlung zwecks Wahl der ersten Exekutive einberufen. Ich möchte hervorheben, daß die Wahlen in ernster Weise erfolgten, mit Verständnis für die Wichtigkeit der Sache. Aber ich möchte hinzufügen, daß dabei nicht die Erkenntnis, sondern das Gefühl entscheidend war, oder, richtiger gesagt, der Instinkt. Man empfand, daß irgend eine Änderung des Lebens einträte, die Gutes bringen könne. Als nach einiger Zeit das Vertrauen zu mir im Wachsen begriffen war, wurde mir einmal in einer Versammlung gesagt: ,,Das Leben hat uns gelehrt, nicht ganz offenherzig zu sein, man muß notwendigerweise manches in sich verschließen, denn vollkommene Offenheit kann vielleicht schaden." Kein Zweifel, daß das bisherige Leben in den Kindern diese Vorsicht hatte entstehen lassen. Wir herrschen über die Kinder, wie frühere Geschlechter über ihre Sklaven. Wir begründen dies damit, daß wir nur zum Besten der Kinder handelten. „Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es/' Auf diesen weisen Rat stützen wir uns bis zum heutigen Tage, und deshalb gibt es keine Offenherzigkeit der Kinder gegenüber ihren Leitern. Die Kinder erkennen offenbar die Richtigkeit des genannten Sprichworts nicht an. Wenn das Kind verschlossen ist, so ist dies die natürliche Verteidigung des schwachen und zarten Kindes gegenüber dem starken und gewalttätigen Erwachsenen. 42

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