Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das Kinderdorf im Emek Jesreel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 40 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sch. S. Pugatschow kommen. Ich schlage vor, alle diese Fragen öffentlich zu diskutieren, sie genau zu betrachten, jeder soll seine Meinung frei ausdrücken, und nachher versucht euch zu organisieren. Die Organisierung kann kommen, wenn ihr die Notwendigkeit klar erkannt habt. Vielleicht aber bedürft ihr gar nicht einer solchen Neuerung? Vielleicht ist der Weg, auf dem ihr bisher gegangen seid nach eurer Meinung gut und vernünftig? Wenn ihr einig geworden seid, dann soll eine Kommission" zur Ausarbeitung der Verfassung des Kinderdorfes gewählt werden." In vielen Versammlungen und in privaten Unterhaltungen sprach man oft über diese Themen, die als schwer und nicht genügend einleuchtend empfunden wurden. Besonders schwer ist es für Kinder, selbstverantwortlich zu sein. Wie das kleine Kind, wenn es die ersten Schritte tut, sich an der Schürze der Mutter festhält und sie nicht loslassen würde, wenn nicht schließlich die Mutter selbst ihm diese letzte Stütze nähme und das Kind dadurch zwänge, seiner eigenen Kraft zu vertrauen, so ist es auch bei dem größeren Kinde, dem Knaben. Auch er sucht etwas, worauf er sich stützen kann. Er ist höchstens geneigt, zu wiederholen und zu lernen, was ihm der Lehrer in der Stunde erklärt hat. Hingegen neigt er zu keiner Arbeit, die eigene Initiative oder selbständige Arbeit erfordert. Ich widmete deshalb die größte Aufmerksamkeit dem Versuch, die Kinder verstehen zu lassen und ihnen zu beweisen, wie wertvoll freie, innerliche, selbst gewählte Disziplin und alles, was aus ihr folgt, sei. Ich zeichnete von ihren Augen ein Bild ä la Robinson, ein schöpferisches Leben aus der Notwendigkeit heraus, aber all das war nur eine schöne Theorie und weit von der Verwirklichung. Eigenes Gefühl und positive Erkenntnis sind die im Leben entscheidenden Kräfte. Kein Mensch erwirbt sich irgendwelche Kenntnisse, außer wenn er um sie kämpft. Deshalb kann ich nicht sagen, daß meine Worte wirklich Erkenntnis weckten und schöpferische Aktivität entfalteten. Freilich war die Stellung der Kinder zu diesen Gedanken eine positive und die Worte waren ihnen verständlich, aber dieses Verständnis genügte nur zu einer passiven Haltung, nicht aber zu positivem Tun. Und wie ich schon gesagt habe, sah ich keine Möglichkeit, radikale Versuche zu machen, wie in einer Versuchsschule, die zu derartigen Zwecken gegründet wird. So mußte ich mich damit begnügen, die Verfassung auszuarbeiten und sie ihnen zu erläutern und nahe zu bringen. Bei der Ausarbeitung dieser Verfassung machte ich mir zum Ziel, sie so kurz als möglich zu fassen. Ich glaube, daß diese Verfassung für den Leser von Interesse ist und bringe sie deshalb nachstehend: 40