Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das Kinderdorf im Emek Jesreel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 39 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Kinderdorf im Emek Jesreel aber was würdet ihr tun, wenn plötzlich diese Leiter für einige Zeit weggingen und die ganze Wirtschaft in euren Händen ließen? Ihr lebt in einem Dorf, ihr lebt ein gemeinschaftliches Leben, alle haben eine gemeinsame Wirtschaft, so entsteht also die Frage: wißt ihr, wenigstens die Großen unter euch, was das Wesen dieser Wirtschaft in Quantität und Qualität ist? Es ist doch unmöglich, von Verantwortung und von Sorge für die Wirtschaft zu sprechen, wenn diese Verantwortung nicht verstanden und diese Wirtschaft nicht gekannt wird? Die Kinder tun allerlei öffentliche Arbeiten, aber gibt es gemeinsame Versammlungen der Chawerim zu Rechnungslegung und Kritik? Kritik: d.h. Kontrolle und direkte, unbestechliche, öffentliche Aufsicht. — Was muß eine Schule bei uns sein? Es gibt viele Fragen in der Arbeit, die ohne Elementarbildung nicht zu lösen sind. Zu bestimmten Stunden müßt ihr euch für die Lösung solcher Fragen interessieren. Die Einzelnen, die die Schule besuchen, sind voneinander verschieden, manche kommen schneller, manche langsamer vorwärts. Ist hier nicht gegenseitige Hilfe erforderlich? Kann es eine junge jüdische aufbauende Gemeinschaft geben, die sich nicht für die Fragen der hebräischen Kultur interessiert, für die Sprache die Bibel, die Geschichte des Volkes? Wo sind die Gruppen, die sich in diesen und damit zusammenhängenden Fragen fortbilden wollen? Darf man eine passive Einstellung zur Heimatkunde haben, ohne die der Aufbau des Landes unmöglich ist? Nein, Heimatkunde muß im Mittelpunkt der Probleme dieser jugendlichen Gemeinschaft stehen. In einer Gemeinschaft junger jüdischer Menschen müssen Gruppen für jüdische und allgemeine Literatur existieren, für Geschichte, für Kunst. Wir brauchen einen Lesesaal und eine Bibliothek, Sport und Turnen. Eine organisierte Gemeinschaft braucht eine periodische Zeitung, die wenigstens einmal in zwei Wochen erscheint. W7er soll für alle diese Dinge sorgen? Nicht ihr selbst? Müßt ihr nicht selbst die Initiative ergreifen und die Verantwortung übernehmen, wobei die Erzieher und Leiter euch helfen sollen? Eure Schule macht auf mich einen traurigen Eindruck — es scheint., daß ihr dem Lehrer einen Gefallen tut, wenn ihr zur Schule kommt? Darf in einer arbeitenden Kindergemeinschaft die Bildung so passiv sein und nur aus Zwang und äußerem Druck erfolgen? Ist hier nicht gründlicher Wandel notwendig? — Noch etwas: die Aufsicht über die öffentliche Ordnung muß in euren Händen liegen; man darf sich in diesen Dingen nicht an den Leiter wenden, der kein Aufpasser sein darf, sondern ihr müßt die Organe schaffen, die sich um diese Dinge kümmern. Wenn ihr euer Leben so organisiert, werdet ihr zu einem wirklich kulturellen Leben 39