Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das Kinderdorf im Emek Jesreel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 38 (sequence 3)
- Language
- German
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Sch. S. Pugatschow wünschte Erscheinung: die Kinder arbeiten mit Hingabe, aber die Arbeit erweitert nicht ihre Kenntnisse, sie dient ihnen nicht als Bildungsstoff. Die Kinder arbeiten im Kuhstall und wissen nichts von Art und Menge der Milch. Sie arbeiten in der Bäckerei und haben keinen Begriff von Brot und Mehl. In Unterhaltungen mit den Kindern erklärte ich ihnen den Nachteil dieser Tatsache, und aus diesen Unterhaltungen wurden die Grundlagen einer neuen Lebensordnung mit allen ihren Verzweigungen klar. Es ist klar, daß das Ziel keiner Unterrichtsanstalt ein utilitaristisches sein kann, denn dieses erfordert keine menschliche Erziehung und keine geistige Entwicklung. Gilt das schon für jedes pädagogische Institut, um wieviel mehr für ein Internat. Das ständige gemeinsame Leben, die Notwendigkeit, immer wieder mit denselben Menschen, Mitschülern und Lehrern täglich zusammen zu sein, ohne sich von ihnen auch nur für einen Augenblick absondern zu können, erschweren die Erziehung sehr und üben einen ständigen psychischen Druck aus; sie können geradezu Verbitterung und Verzweiflung hervorrufen. Nur eine zentrale Idee, eine Idee, die dem Gemeinschaftsleben ein Niveau zu geben vermag, kann Schwung geben und ein kleinliches und bedrücktes Leben verhindern. Außerdem kann ein utilitaristisches Ziel den Gemeinschaftsgeist nicht entwickeln; der übertriebene Individualismus ist die direkte Folge eines rein utilitaristisch bestimmten Lebens. Deshalb nahm ich als Fundament unserer Verfassung den Gedanken des Aufbaus des Landes im allgemeinen und des Emek im besonderen. Ich nahm den Gedanken als Grundlage, daß wir mit der jüdischen Gemeinschaft Palästinas am Aufbau des Landes aktiven Anteil nehmen müssen, daß auch wir den Ort der Verwüstung, auf dem wir wohnten, zu einem menschlichen Wohnort umwandeln müßten und daß auch wir gleich der Arbeiterschaft des Landes ein arbeitendes Erez Israel erstreben. Es ist klar, daß zum Aufbau eines Kinderdorfes im Emek Jesreel kulturelle und fachliche Vorbereitungen notwendig sind. Hier war die Möglichkeit zu detaillierten Unterhaltungen über das arabische oder russische Dorf mit seinem Mangel an Kultur und das deutsche oder schweizer Dorf mit seinen höheren Lebensformen. Folgendes waren die wichtigsten Sätze in meinen ersten Unterhaltungen mit den Kindern: ,,Ihr seid eine Gruppe arbeitender und lernender Kinder. Steht ihr allen Erscheinungen eures Lebens mit klarer Erkenntnis gegenüber? Ihr werdet hier in weitestem Umfange geleitet, ihr erfüllt den Willen eurer Leiter, 3S