Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Von der Straßenhorde
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 35 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Von der Straßenhorde zur Gemeinschaft Eine im gewissen Sinne entproletarisierendeWirkung scheint im Wesen jedes,,Kinderhausesu zu liegen.) — In der Gruppe des „Haschomer Hazair" und des „Hechaluz Hazair" konzentrierte sich die nach Palästina gerichtete Jugend, die in der ersten Zeit des Kinderhauses eine kleine Minorität war, sich aber im Laufe der Zeit so stark vermehrte, daß sie ungefähr die Hälfte der älteren Jugendlichen bildete. Das hier vorherrschende Berufsideal ist: Bauer oder Handwerker in Palästina auf dem Lande zu werden. — Diese beiden Gruppen mit 70—80 Jungen und Mädchen bilden heute die Basis des Kinderhauses. Die Form der kleinen Kwuzoth7 wie man in Palästina diese Gemeinschaftsform nennt und die ungefähr 30—40 junge Menschen mit gleichen Lebenszielen umfaßt, hat jetzt schon manche Belastungsprobe erfahren und allen Stürmen der letzten Zeit standgehalten. Es scheint, als ob die Jugend hier nach langen Irrwegen die Form des Zusammenlebens gefunden hätte, die das Maximum der Kräfte freimacht, welche durch Gemeinschaft erweckt werden können, und gleichzeitig das Minimum an Unterdrückung der Individualität zugunsten der Gemeinschaft erfordert. Blicken wir noch einmal den Weg zurück, den die Kinderhaus jugend gegangen ist: Am Beginn des Weges stand das „Ich" allein, und alle seine Triebe waren auf die Befriedigung gewöhnlicher körperlicher Bedürfnisse gerichtet. Die erste Periode war dadurch gekennzeichnet, daß das „Ich" aus seiner engen Begrenzung sich erhob und sich mit einer Horde gleichgestimmter Schicksalsgenossen zu identifizieren suchte und den Kampf nicht nur für sich allein, sondern für die ganze Horde kämpfte (Kollektive). In der zweiten Periode sehen wir einen kurzen Anlauf, von der Identifizierung mit den zusammenlebenden Mitgliedern der Kampfhorde bis zur Identifizierung mit allen Arbeitern der Partei vorzudringen. Standen die Strebungen der ersten und zweiten Periode ganz unter dem Zeichen des Hasses, des natürlichen Erbteils jeder liebeleeren Kindheit, so sehen wir mit dem Älterwerden der Kinder, wie die negativen Strebungen des Hasses allmählich unter der Einwirkung der Erzieher in den Hintergrund treten und positive Triebe zu erwachen beginnen. An die Stelle des Haßaffektes tritt — in der dritten Periode — die erotische Bindung an die Kameraden, neben welche in der Schluß periode dieser Jugendentwicklung die Bindung an eine Idee, an eine objektive Aufgabe tritt. Im Rahmen dieses kleinen Ausschnittes aus einem Arbeitsbericht, der sich über einen Zeitlauf von fünf Jahren erstreckt, war es nicht möglich, auf die Rolle der Erzieher im „Kinderhause" 3' 35