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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 31

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Von der Straßenhorde
Date
1925-01-01
Page
31 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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Von der Straßenhorde zur Gemeinschaft konnten nicht viel sagen, weil unsere Zeit noch nicht gekommen war. (Wie an anderer Stelle zu zeigen sein wird, erfuhr diese Einstellung der Religion gegenüber später eine grundlegende Veränderung in allen Abteilungen des Kinderhauses.) Ein weiteres Erzeugnis der Bourgeoisie, gegen das „vom Standpunkte des Proletariates aus rücksichtsloser Kampf am Platze sein mußte," war die zionistische Bewegung. Zionismus und kapitalistische Gesellschaftsordnung war für die aus den untersten Volksschichten kommende Jugend vollständig eins, und deshalb erschien kein Mittel zu schlecht, um mit dieser sogenannten „Methode der jüdischen Bourgeoisie, die jüdische Arbeiterklasse in Sklaverei zu halten", endlich abzurechnen. Es ist klar, daß diese unsinnige Definition des Zionismus nicht in den Kreisen der Kinderheimjugend selbst entstanden war, sondern daß sie diese Gedanken von der Straße, von dem Zusammenleben mit einer entwurzelten Arbeiterschicht bei ihrem Eintritt in das Kinderhaus mitgebracht hatten. Wir standen vor der Aufgabe, zu prüfen, ob es sich hier bei der Jugend um ein gedankenloses Nachsprechen sinnloser Verleumdungen handelte, oder ob es vielleicht im Wesen dieser Jugend lag, daß ihr die zionistische Bewegung als Bundesgenossin der Bourgeoisie erscheinen mußte. Der Zionismus als eine nationale Erneuerungsbewegung konnte nur von Kreisen ausgehen, die den lebendigen Kontakt mit dem „Volke" verloren hatten, von einer Gesellschaftsschicht, deren Wurzeln nicht mehr tief hinab ins Volk reichten, und die nun den natürlichen Zusammenhang mit dem Volk wieder herzustellen trachteten. Nationale Bewegung ist immer Sache der schon vom Volk Entfernten; vergleichbar der Tatsache, daß die Kinder, die von der Mutterbrust Nahrung bekommen, schweigen, und erst dann zu schreien anfangen, wenn man sie von der Mutter fortgenommen hat. Für die unteren Schichten des Volkes, die mit beiden Füßen noch fest im Mutterboden Volk stehen, bedeutet Nation eine Tatsache von solcher Selbstverständlichkeit, daß sie mit Mißtrauen den Menschen gegenübertreten, die daraus eine Bewegung machen wollen. Der Kampf begann schon in den ersten Tagen, als die Kinder ins Kinderhaus kamen, aber besonders erbittert wurde der Kampf bei der Einrichtung der Bibliothek. Unter den Jugendlichen befanden sich auch einige Zionisten, und es war nur natürlich, daß von diesen auch die Anschaffung von hebräischen Büchern verlangt wurde. Die Forderung wurde erfüllt, aber man wartete auf den Augenblick, wo man dieser kleinen Minderheit den Todesstoß versetzen konnte. Die Gelegenheit kam, als nach zwei Monaten seit dem Bestehen der Bibliothek die „Bibliothekskommission" 31

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