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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Von der Straßenhorde
Date
1925-01-01
Page
29 (sequence 8)
Language
German
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Von der Straßenhorde zur Gemeinschaft machen. Wir hatten Geduld und ließen langsam die Dinge wachsen. Allmählich änderte sich das Aussehen der Zimmer und der Kleidung, und überall war nach und nach der Sinn für Sauberkeit und Ordnung eingekehrt. Wir konnten beobachten, wie eine wilde Horde von Jungen und Mädchen, die die Not zu einem gemeinsamen Leben zusammengetrieben hatte, in allmählicher Entwicklung alle die Wandlungen durchmachen mußte, die die Menschheit in der Entwicklung ihres eigenen Gemeinschaftslebens durchgemacht hat. Nicht durch gewaltsames Eingreifen von Lehrern und Erziehern, sondern dadurch, daß wir diesen Jugendlichen die Möglichkeit einer freien Selbstentwicklung gaben. Wir glaubten unbedingt an die sozialen Kräfte, die in jedem Kinde schlummern und gaben Gelegenheit, diese Kräfte zu gebrauchen. Sie gaben ihrer Gemeinschalt allein d i e Gesetze, die notwendig waren, um das soziale Gefüge ihrer Gemeinschaft am Leben zu erhalten und es zu einer höheren Stufe zu entwickeln. II. War der erste Schritt, über das eigene Ich hinauszukommen, d i e Tat, die nicht allein dem eigenen kleinen Ich, sondern der ganzen zusammenlebenden Kollektive Nutzen bringen sollte, so war der nächste Schritt der in die Jugendgruppe der Arbeiterparteien (wrobei zu berücksichtigen ist, daß ein Teil der Jugendlichen aus Rußland gekommen war). Es galt jetzt nicht mehr, die materiellen Errungenschaften der eigenen beschränkten Gruppe zu sichern, sondern die der gesamten arbeitenden Menschheit. Um das Interesse zu verstehen, welches diese Jugend dem Parteileben des Proletariats entgegenbringt, muß man auf ihre Beziehungen zur bürgerlichen Gesellschaft näher eingehen. Haß, brennnender Haß war das Gefühl, mit dem diese Jugend allem gegenüberstand, was mit bürgerlicher Gesellschaft zu tun hatte, und, wenn sich auch inzwischen viel, sehr viel geändert hat, wenn sich auch zwischen den aus bürgerlichen Kreisen stammenden Erziehern und der Jugend tiefe freundschaftliche Beziehungen angebahnt haben, so glaubten wir dennoch nach Jahren noch alte Funken dieses Hasses zu spüren, Funken, die noch nicht erloschen waren, und bei ganz unvorhergesehenen Gelegenheiten mit elementarer Gewalt zur Flamme werden konnten. Es konnte vorkommen, daß man plötzlich den sicherlich nur gutgemeinten Taten eines langjährigen Erziehers im Hause falsche Deutungen unterlegte, daß man offensichtliche Mißverständnisse als Agitationsmittel benutzte und einen erbitterten Kampf gegen diese Lehrer begann. Dieser sinnlose Kampf konnte bei dem feststehenden Werte dieses Erziehers 29

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