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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Von der Straßenhorde
Date
1925-01-01
Page
25 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Von der Straßenhorde zur Gemeinschaft schützen*', in der gleichen Weise, wie Arbeiter eine Vertretung ihrer Interessen in der Leitung einer Fabrik zu fordern pflegen. Das waren dann die ersten wirklich großen Momente im Leben dieser von der Gesellschaft jahrelang mit Füßen getretenen Jugend, als ihre Vertreter in öffentlicher Versammlung vor der Verwaltung ihren Protest gegen das nicht korrekte Benehmen des Angestellten X. oder gegen die schlechte Qualität des letzten Mittagbrotes mit flammenden Worten zum Ausdruck bringen konnten. Dann schwiegen alle die kleinen Einzelinteressen; Jungen und Mädchen, die vorher im Streit und Kampf untereinander lebten, saßen brüderlich am Tisch zusammen und jeder spürte sich ein Herz und eine Seele mit jedem Mitglied der Gemeinschaft. Das Selbstbewußtsein eines jeden stieg gewaltig; die Jungen und Mädchen, die dort oben gegen die Verwaltung in so revolutionären Worten protestierten, waren ja von den Jugendlichen persönlich ausgewählt worden, und deshalb schien es jedem so, als ob jeder einzelne selbst diese verwegenen Worte gesprochen hätte. In der ersten Zeit trat dieses Gemeinschaftsgefühl nur in Erscheinung, wenn es sich um Kampf, Verteidigung oder Angriff handelte; wir versuchten aber bald, dieser Gemeinschaft positive Aufgaben zu stellen, indem wir den Jugendlichen auf allen Gebieten Selbstverwaltung einräumten, in der Überzeugung, daß auch wirtschaftliche Vorteile daraus resultieren würden. Denn vorher wurde jede nur mögliche Gelegenheit ausgenützt, sich durch Lüge oder Betrug Vorteil bei der Herausgabe von Wäsche und Kleidung oder in der Küche zu verschaffen, was in dem Augenblick sich erklärlicherweise vollkommen änderte, als die Verwaltung in die Hände der Jugendlichen gelegt wurde. Ihrer Organisation gaben sie den Namen „Kollektive'4. Aber wir knüpften noch andere Erwartungen an die Übernahme der Regierung durch die Jugendlichen und wurden in unseren Erwartungen nicht getäuscht. Das Selbstbewußtsein der Kinder begann mit aller Stärke zu erwachen, man begann zu empfinden, daß man geschenktes Brot und geschenkte Kleider zu verwalten hatte, daß man von Almosen der Reichen lebte und nicht durch eigene Arbeit; und dieser Zustand wurde für die Jugendlichen von Tag zu Tag unerträglicher. Berücksichtigen wir noch, daß man den Erziehern und sonstigen Angestellten des Kinderhauses damals noch durchaus mit Haßgefühlen gegenüberstand, wird das leidenschaftliche Verlangen verständlich, sich unabhängig von diesen Menschen und von dieser Verwaltung zu machen. Denn was gibt es Schlimmeres, als denen dankbar sein zu müssen, die man ablehnt, ja sogar haßt? E i n Gespräch stand also jetzt ständig auf der Tagesordnung, bei allen Beratungen und 25

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