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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 19

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Die Problematik der jüdischen Erziehung
Date
1925-01-01
Page
19 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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Die Problematik der jüdischen Erziehung Situation absolute Lösungen nicht geben kann. Es kann nur Richtungen geben, in denen die Lösung zu suchen ist. Aus dem logischen Zirkel, in den solche theoretische Erörterungen immer wieder führen, gibt es nur einen Ausweg: wir müssen die Sache von allen Enden zugleich anpacken im Vertrauen darauf, daß durch redlichen Willen und ausdauernde Arbeit dort, wo theoretisch ein Ausweg nicht zu sehen ist, ungeahnte Wirklichkeiten entstehen, die sich gegenseitig beeinflussen. Die historische Entwicklung hat nicht dazu geführt, daß man voraussehen könnte: es kommt immer anders, als man es gewollt hat. Das gilt für den ganzen Komplex unserer nationalen Frage, insbesondere aber für all das, was wir auf dem besonders schwierigen Gebiete nationaler Erziehung anstreben. Wir haben im Anfang unserer Darlegungen die Frage aufgeworfen, ob und wie Erziehung als Absolutes unter den abnormalen Bedingungen unseres Daseins bestehen kann. Die Frage ist nicht so zu beantworten, daß sie bestehen oder nicht bestehen kann; sie muß bestehen. Der Erzieher kann nur dann wirken, wenn ihm Erziehung als letzter, als absoluter Wert vorschwebt, als innere Notwendigkeit seines zu diesem Werke und nur zu diesem Werke berufenen Wesens. Er kann nur wirken im Glauben an die unbedingte Notwendigkeit seiner Mission und an ihren Erfolg. Mag auch das Ganze abnormal und von Vollkommenheit weltenweit entfernt sein, so muß im einzelnen doch durch Beispiel und Vorbild ein Absolutes wenigstens in Augenblicken vollbracht werden können, das in die Weite und Tiefe des Volkes wirkt. Den Ausgangspunkt für das Wirken des Erziehers bildet sein eigenes Ich. Es als jüdisch zu erkennen, mit dem Licht der Bewußtheit in seine verborgensten Tiefen zu tauchen, ist seine Pflicht. Wenn er erfahren hat, daß dieses jüdische Ich, er mag es erleben wie immer, das Unmittelbarste, das einzig Schöpferische in ihm ist, dann wird er von diesem festen Punkte aus die Vergangenheit seines Volkes richtig und wahr zu erleben fähig sein. Trotz aller Hemmnisse wird sein Streben, aus jener versunkenen Welt die ewigen Werte heraufzuholen, zum Ziele führen. Bewußtheit, Selbsterkenntnis wird vielfach an die Stelle unmittelbaren Instinktes treten. Die Welt seines Ich und die Welt der Kultur seines Volkes werden gegenseitig aufeinander wirken, einander gestalten. Die Erkenntnis des Wertes, der in den Schöpfungen des Volkes liegt, wird die Selbsterkenntnis vertiefen; jedes Hineinschauen in sich selbst bedeutet eine neue Quelle für das Erleben des gestalteten Judentums. Das autonome Ich wählt und siebt unaufhörlich in der Fülle uralten Erbbesitzes und erfährt reichste Fördei* *9

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