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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Religion und Erziehung
Date
1925-01-01
Page
8 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Leo Bacck die Natur zueinander fügt, die der Eltern und die der Kinder voneinander geschieden. Sie sind zwei Generationen. Mit dem erwachenden Intellekt wird dieser Unterschied für die Jugend ein bewußter, und er wird oft zum Gegensatz, zur Abkehr von den Älteren und zur Ablehnung ihrer Welt. Zumal in Zeiten des Übergangs kann sich hier ein tiefer Spalt auf tun. Er wird sich nicht eröffnen müssen oder er kann sich schließen, wenn beide Generationen etwas haben, was über sie hinausreicht und worein sie beide hineingestellt sind, was mehr ist als sie beide. Wenn sie den Sinn für das Ewige haben, für die Welt der Religion, dann ist dieser Zwiespalt behoben. In dem idealen, in dem jüdischen Ich, wie die Religion es gestalten will, können sie einander verstehen und finden, ihres Gemeinsamen, ihrer Einheit bewußt sein; denn dieses Ich ist das Ich von Jahrtausenden, in ihm ist ihrer beider Ich befaßt. Lebt es in ihnen beiden, dann wird das, was in dem Worte Väter und Söhne" bezeichnet ist, nicht zur Komödie in den Flachen und zur Tragödie in den Tiefen werden, sondern zur Geschichte, zum Lebenschaffenden, zum Fortführen des Lebens. Die Erziehung ist auch Übertragung des Kulturbesitzes der einen Generation auf die andere. Und wenn hier die Gefahr bestehen kann, daß die Kulturform der älteren Generation der jüngeren aufgezwungen werde, und darum in dieser zweiten Periode so oft alle Erziehung, die gegeben, nur ein Druck und alle Erziehung, die erfahren, nur ein Widerstreben wird, und wenn dann alles, was über das rein Unterrichtliche, das Reale und Kenntnismäßige hinausgeht, oft nur ein gegenseitiger fruchtloser, freudloser und formloser Kampf ist — über all das hinausheben kann nur sie, die als das Bleibende über alle Kulturzeiten hinaus ist und als ihre Seele sie erst belebt, kann nur die Religion, die immer wieder von zwei Seiten her, von der Jugend und vom Alter her, den Sinn des Lebens gewinnen läßt, zum Sinne des Lebens zusammenführt. Im Ewigen, in den Gründen des Lebens und seinen Höhen können Lehrer und Schüler, können Alter und Jugend zusammenkommen. Davon können sie miteinander sprechen, von aUem anderen können sie nur sich unterhalten. Die Religion schafft die Verbindung. Sie kann dann auch für die dritte, die lange Periode des Lebens, eine Verbindung mit der Kindheit und Jugend geben, der eigenen Elternzeit die Verbindung mit der eigenen Kindheit und Jugend. Kindheit und Jugend scheinen doch zu werden, nur um zu vergehen — ein Paradies, aus dem der Mensch vertrieben wird. Wenn um den Menschen sich der Kreis seines Berufes und seines Hauses schließt, wenn sein Leben in der Arbeit und im Erfahren den festen 8

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