Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- La Nuit Kurde
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 135 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen sich verschieden erfcvies von dem gemeinsamen Charakter der anderen. Sollen wir das Neid, Haß, Eifersucht nennen? Gebrauchen wir nicht so große Worte. Auf der Erdoberfläche scheint das Gesetz zu herrschen, als ob der Mensch beharrlich das Ziel verfolge, die menschliche Art in ihrer Bestimmtheit zu erhalten und gegen all die Variationen zu verteidigen, die sie bedrohen. Der Instinkt lehrt ihn, daß die Hegemonie ihm so lange gewahrt bleibt, so lange er nicht eine lebhaftere Art; aufkommen läßt. . . Ohne sich dessen bewußt zu sein, strebte er mit all seinen Kräften danach, die Welt nach seinem Tode ebenso zurückzulassen, wie er sie bei seiner Geburt vorgefunden hatte. Er empfand eine spontane Feindschaft für neue Wege, neue Gedanken, neue Antlitze. Er hätte ungestört leben können, wenn er nicht Menschen wie Saad begegnet wäre, deren Lebensberechtigung darin besteht, den bestehenden Zustand zu verraten." Die Unruhe, die den Juden treibt, bringt auch Unruhe in seine Umgebung. Man wehrt sich gegen ihn als gegen den Störenfried. Aber aus dieser Erkenntnis schöpft der Jude neue Kraft für seine Einsamkeit. Er kann den Weg seiner Bestimmung nicht ändern. Saad begibt sich auf die Suche nach Evanthia, er findet die Schwester seiner Kasse und die Stunde des Todes vereinigt sie in höchster Liebe, ausgestoßen und gesteinigt von den übrigen Menschen, in deren Mitte sie gelebt halten. So schildert Jean Bichard Bloch den höchsten Liebesaufschwung, der in dem Kufe der Basse liegt, und die Treue his in den Tod in der Gefolgschaft <Heses Bufes. Ihm ist Basse ein lyrischleidenschaftliches individuelles Erlebnis, von ihren objektiven Verbundenheiten und Traditionen weiß er nichts. Dun ist Basse der Frühling und die bunte Wiese des Dichters; der Mann wendet sich anderwärts zu den Ernten des reifen Sommers. Er hat das Hohe Lied der Basse gesungen, das Lied einer tiefen, aber etwas unglücklichen Liebe, und durch diesen Sang glaubt er sich von seiner Liebe und seinem Erlebnis befreit. In einem Nachwort sagt Jean Bichard Bloch Asien Lebewohl. „Unsere Jugend ist tot. Es bleibt die der Menschheit, die erst beginnt. Ihr will ich die kräftigen und traurigen Garben des Sommers darbringen." Die Bande, die ihn an die Verzauberungen Asiens gebunden haben, sind gelöst. Er ist zu der bitteren Aufgabe bereit, die die Aufgabe der europäischen Generation seiner Tage ist. „Überall leidet der Mensch und ist voll von Unruhe. Das Leben, das auf ihn einstürmt, ist schmutzig, kotig, voll von Drohungen. Lassen wir uns nicht von der Illusion läuschen, daß wir ihn noch seinen Schmerz vergessen lassen können, wenn wir ihn mit Fabeln ler Vergangenheit einzuwiegen trachten. Die entfesselten Kräfte gehören nicht zu jenen, die Geduld haben. Der zerstreute Spaziergänger wird über den Haufen gerannt. Der Dichter tröstet nicht mehr. Die Maschine kennt kein Erbarmen." Es ist für den Europäer unmöglich, sein Ohr den Stimmen zu verschließen, die um ihn herum ertönen. Eine Welt geht zugrunde und wir haben nicht das Becht, uns mit Legenden der Vergangenheit zu unterhalten. Die Gegenwart fordert uns, frei von Träumen und Mythen. Der ewige Barbar lagert wieder vor den Mauern der Stadt des Geistes. Die wahrhaft Lebenden und die wahrhaft Toten scheiden sich heute nach der Entscheidung, die sie treffen. ,,Und so ergreife ich wieder den Bucksack, den ich einen Augenblick abgelegt hatte. Paradies meines Geistes, Träume der Jugend, Asien, Jugend, ich sage euch x35