Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Jude im Kriege
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 121 (sequence 12)
- Language
- German
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Port Arthur und Gallipoli (Aus den Tagebüchern) „Nein, nein, Herr. Ich fürchte mich nicht vor der Gefahr. Auch nicht vor dem Tod... Ich fürchte nur, ich könnte diese Prüfung nicht bestehen, ich könnte nicht stark genug sein... Und meine Schwäche würde Schande über die ganze Legion bringen... Wir gehen doch, um für die Heimat zu kämpfen..." Ich riet ihm, sich schlafen zu legen und alle Gedanken an Schwäche und Zagen zu vergessen. Wir befanden uns in Gallipoli. Wir verloren viele von unseren Kameraden: manche fielen, manche wurden verwundet und andere erkrankten. Wir wurden oft stark beschossen. Unter uns gab es viele Mutige, aber es gab auch solche, die schwach und feige waren. Wertheimers Betragen erschien mir etwas merkwürdig. Es war schwer ihn zu durchschauen. Wurde er vor eine gefahrvolle Aufgabe gestellt, so erfüllte er seine Pflicht ohne jenen fröhlichen Lärm, der unseren waghalsigen Burschen eigen war, aber auch ohne zu klagen. Er war immer still und in Gedanken versunken. Es schien, als ob es ihm selbst nicht klar sei: sollte er sich fürchten oder nicht. Vielleicht war es auch tatsächlich so. Das Ende erst zeigte uns die Wahrheit. — Es war einer der schönsten Junitage. Die Erde hatte sich mit grünen Gräsern geschmückt. Die Sonne liebkoste sie mit ihren warmen Strahlen .— und die Menschen bereiteten sich zum schweren Kampf in den Feldern Gallipolis vor. — Aus den vordersten Schützengräben wurde eine neue Ladung Munition und Lebensmittel angefordert. Ein paar beladene Maulesel standen bereit, aber es mußte sich jemand finden, der sie durch die Feuerlinie hindurch führte. Man mußte einen Mutigen finden, der sich auf das offene, dem Feuer ausgesetzte Feld wagen würde. Und der Feind bombardierte unaufhörlich gerade diese offene Stelle. Das Überqueren dieses Feldes hieß nahezu in den sicheren Tod gehen. „Soldaten!'' rief der Offizier, „die Schützengräben brauchen Munition, wer will es wagen, die Maulesel dorthin zu führen?" Engländer, Inder und Juden standen und schwiegen. Die Sonne erweckte in jedem eine Hoffnung auf Glück und Freude in kommenden Tagen, und vom nahen Feldei das mit menschlichen Leichen und Kadavern von Tieren bedeckt war, stieg ein Geruch des Todes empor. Und es fand sich niemand unter den Soldaten, der es wagen wollte. Der Offizier blickte auf seine Leute und wiederholte noch einmal: 12 1