Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Jude im Kriege
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 122 (sequence 13)
- Language
- German
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Joseph Trump eldor „Die Ladung muß an Ort und Stelle gebracht werden. Wenn nicht — so sind die Kameraden in ihren Gräben verloren... Wird sich denn kein einziger unter euch finden?" Alles schwieg. Plötzlich trat Wertheimer aus den letzten Reihen hervor. Er war ganz verwirrt Es schien, als ob er sich schäme, die vielen Augen auf sich gerichtet zu fühlen. Er näherte sich dem Offizier und sagte: „Schicke m,ich!" Und als Wertheimer auf dem Felde erschien, begann der Feind die Stelle noch stärker zu beschießen. Ununterbrochen fielen Geschosse herunter und zerplatzten mit Donnern und Dröhnen. Granatsplitter, Steine, Erdklumpen — pfeifend und heulend mischte sich alles durcheinander. Dicker, schwarzer Rauch stand in Säulen über der Erde und drang in die Lungen der Menschen, um sie zu vergiften. Die Maultiere bäumten sich und wollten nicht weitergehen, aber Wertheimers ruhige und sichere Hand zwang sie vorwärts. Er schritt in völliger Ruhe dahin, schaute weder nach rechts noch nach links und achtete nicht der rings um ihn explodierenden Geschosse. Mit angehaltenem Atem blickten die Soldaten von beiden Seiten des Feldes auf ihn und flüsterten: „Ein Tapferer, ein Held!" Noch einige Schritte, und Wertheimer hätte den sicheren Graben erreicht — dal plötzlich schwankte er, wollte vorwärts — und fiel. Liebevolle Arme streckten sich ihm entgegen, faßten ihn und zogen ihn in den Graben hinunter; auch die Maultiere wurden geborgen. Er hatte seine Aufgabe erfüllt, aber sein Blut dafür lassen müssen. Gegen Abend blieb keine Hoffnung mehr, sein Leben zu erhalten. Er war ruhig und klagte nicht. Er sollte mit einem Schiff nach Alexandrien gebracht werden. Beim Abschied sagte er mir mit seiner weichen Stimme: „Herr, jetzt werde ich keine Furcht mehr kennen." Und fügte nichts hinzu. Das Sprechen fiel ihm zu schwer. Es verging eine Woche und man teilte mir mit, daß Wertheimer in Alexandrien gestorben sei. Es verging noch eine Woche und ich erhielt einen Brief von seinem Vater, in dem er mich bat, ihm die „Tefilin"*) des Sohnes «zu schicken. In diesem Briefe war keine Spur von Klagen oder Schmerzen sausbrüchen. Der Chalukkah-Jude aus Jerusalem hatte seine Liebe zu Erez- Israel bewiesen. *) Gebetriemen — Anm. d. Übers. 122