Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Jude im Kriege
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 114 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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II. JOSEPH TRUMPELDOR öen Ca0eimd)ertt*) 1. Port Arthur Befehl an das 27. ostsibirische Regiment (29. November 190t, No. 3 3 4 1**) Der Gefreite der 7. Kompagnie Joseph Trumpeldor schreibt in einer Bittschrift vom 24. d. M. an seinen Kompagniechef : „Es ist mir nur eine Hand geblieben; aber diese Hand ist die rechte. Da ich das Verlangen habe, an der Seite meiner Kameraden weiter zu kämpfen, so bitte ich Euer Wohlgeboren, mich in meiner Bitte um Verleihung von Säbel und Revolver zu unterstützen." Hier seht ihr die Bitte eines echtrussischen Soldaten nicht dem Namen, sondern dem Geiste nach! Diese Worte sollen mit goldenen Lettern in die Geschichte unseres Regiments eingetragen werden. Um so mehr müssen sie hervorgehoben werden, als der Sprecher ein Jude ist. Schon seit den Kämpfen um die „Grünen Berge*' habe ich viel von Trumpeldor als von einem außergewöhnlich tapferen Gemeinen gehört. Freiwillig ging er stets an die Erfüllung der gefährlichsten und gewagtesten Aufgaben und im Gefechte» diente er immer als Beispiel verwegensten und höchsten Mutes. Dafür wurde ihm die Auszeichnung des Kriegsordens verliehen. Später wurde er verwundet und verlor eine Hand. Dies gab ihm das moralische und formelle Recht, als Invalide ruhig das Ende des Kampfes um die Festung abzuwarten, und dann nach. Hause zurückzukehren, ohne sich weiteren Gefahren auszusetzen. Aber Trumpeldor verachtet die Gefahr und verzichtet auf sein gesetzliches Recht, nicht mehr kämpfen zu müssen: er bietet sein halbverkrüppeltes Leben zum weiteren Kampf mit dem Feinde an. Auf diese Weise opfert er dem Wohl des Vaterlandes mehr als unser Eid verlangt. Ich bin sicher, daß jeder Offizier und jeder Soldat des Regiments, mit mir5 an der Spitze diese Selbstverleugnung im Dienst des Vaterlandes und zum Wohl unseres jungen Regiments in Trumpeldor ehren wird. Ich befehle, Trumpeldor mit Säbel und Revolver zu bewaffnen. Da es aber einem Gerneinen nicht ansteht, ohne Gewehr mit dem Feinde zu kämpfen, so befördere ich Trumpeldor zum Unteroffizier für seine Verdienste im Kriege und die Unerschrockenheit im Kampfe, die er vielfach bewiesen hat. Die gute Bildung Trumpeldors (er ist Zahnarzt von Beruf) rechtfertigt meine Gewißheit, *) Übersetzt 'von Mirjam Wilensky. Jüdischer Verlag, Berlin. **) Abgedruckt in der Petersburger Wochenschrift „Raswedtschik", Nr. 766, vom 28. Juni 1905. — Anm. d. Übers. "4