Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Jude im Kriege
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 115 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3101111-3101214-3101216-3110018--7742-3110173- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Port Arthur und Gallipoli (Aus den Tagebüchern) daß er auch im Range eines Vorgesetzten nicht weniger Nutzen bringen wird wie als Gemeiner; ich bin sicher: er wird seine Untergebenen nicht fühlen lassen, daß er ein Andersgläubiger ist, — im Gegenteil, als Vorgesetzter wird er sich nicht nur ihre formelle, sondern ihre innerlich-herzliche Achtung verdienen. Ja, wie könnte man auch einen Menschen, und einen Andersgläubigen im Besonderen, nicht achten, der — ohne dazu verpflichtet zu sein — sein Leben dem Vaterlande opfert! Dieser Befehl ist bei der ersten Gelegenheit zu drucken und, in einen geeigneten Umschlag gebunden, Trumpeldor zu übergeben — zur Erinnerung daran, wie das 27. ostsibirische Schützenregiment die Verdienste seiner Helden vor dem Vaterlande zu ehren weiß. Zusammen mit dem Befehl wird Trumpeldor eine eigens nach meinen Anweisungen anzufertigende Medaille übergeben. Zwecks Verleihung des einen wie des anderen wird ein spezielles Zeremoniell von mir bestimmt werden. Ich bitte sämtliche Kompagniechefs, persönlich diesen Befehl vor einer möglichst großen Anzahl Soldaten vorzulesen und seinen Inhalt mit den Leuten zu besprechen1). 2. Gallipoli 29. 5. 1915. 5 Uhr abends ... Unsere Soldaten haben mich umringt... Sie haben Briefe erhalten und erzählen, daß es ihren Frauen und Kindern in Alexan^ drien schlecht geht.. . Es fängt schon wieder dieselbe Geschichte an. Es ist mir unangenehm, es liegt mir schwer auf dem Herz3n. .. SO. 5. 10 Uhr früh Die Granaten zischen und donnern,, die Kugeln pfeifen, und im Herzen ist es... o! wie traurig... Ach, wenn es nur zum Kampfe käme, zum heißen Kampf, daß Himmel und Erde erbebten, daß man auf ein paar Stunden alles vergessen — oder zum Teufel gehen könnte.. . Aber es kommt nicht zum Kampf. Nur ab und zu heulen die Granaten und kreischen die Kugeln... Die Leute versammeln sich in Gruppen und reden, reden... Es ist bitter und schwer für mich, es zu hören. Gestern kamen Briefe von den Frauen, Kindern und Eltern. Alle klagen. — sie haben nichts zu essen, keine Kleidung, keine Schuhe... Sie brauchen Geld und haben es nicht.... Unsere Leute fragten die englischen Soldaten und diese erzählten ihnen, daß jede Frau wöchentlich 5 Schilling von dem Gelde des Mannes und 2 5 Schilling von der Regierung erhalte. Die Frau des gefallenen Frank weiß wahrscheinlich nichts vom) Tode ihres Mannes und bittet ihn, ihr möglichst schnell Geld zu schicken, Wir 1) Folgt die Unterschrift des Obersten Petruscha. — Anm. d. Übers.