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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 113

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der Jude im Kriege
Date
1925-01-01
Page
113 (sequence 4)
Language
German
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Zwei jüdische Offiziere im großen Kriege „Na ja!" sagte der General, „das soll ja auch nicht bestritten werden. Aber Sie müssen doch zugeben, daß er Eigenschaften hat; ich meine, jüdische Eigenschaften, die —" Ich erwiderte vorsichtig, daß der General aber jedenfalls bisher diese Eigenschaften nicht bemerkt habe. Übrigens wisse ich auch nicht, welche er meine. Der General ging darauf nicht näher ein. „Na, das geht doch nicht!" sagte er. „Sie müssen eben die Eingabe zurückziehen." „Aber Herr General", sagte ich, „Sie selber haben den Vorschlag doch einverlangt! Wie kann ich einen Beförderungsvorschlag für meinen Untergebenen zurückziehen, den ich nach Pflicht und Gewissen feingereicht habe?" Der General ging. Aber er gab seine Sache nicht auf. Er zog die Weitergabe des Beförderungsvorschlages eine Zeitlang hin. Tagtäglich verhandelte er den Fall. Ich konnte doch nicht blind sein! Der Vizewachtmeister hatte doch jüdische Eigenschaften! Sie spielten die Hauptrolle in seinen Argumenten. So lief die Sache eine Woche oder zwei. Eines Tages hatte mich der General wieder bei seinem Gegenstand. „Sie mögen mir sagen was Sie wollen", sagte er zu mir, „K. hat unerträglich jüdische Eigenschaften, eigentlich nur jüdische Eigenschaften/ Ich dachte: so geht das nicht weiter, „Tja, Herr General", sagte ich fast verwundert, „wenn er doch ein Jude ist, was soll er eigentlich andere Eigenschaften haben als jüdische?" Der General stutzte. Irgendwas war ihm passiert, was er nicht begriff. Ich hatte den Strick an dem er zog plötzlich fahren lassen. Er fühlte sich am Boden. Zwar überkam ihn eine unbestimmte Empfindung, als ob nicht alles mit rechten Dingen zugehe, aber er fühlte sich entwaffnet. „Meinen Sie wirklich?" sagte er. „Ja", sagte ich. — Er ritt nach seiner Unterkunft und schrieb sein „befürwortet" unter das Gesuch zur Beförderung des Juden. Ich sage nicht, daß mit diesen Bemerkungen die Frage des jüdischen Offiziers oder des Juden als Offizier auch nur annähernd erschöpft oder erledigt sei; ich gebe diese Bemerkungen lediglich als urkundliche Eintragungen preis, da ich glaube, daß die beiden Tapfern damit am besten geehrt werden. Der Jude, Sonderheft , 8 n3

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