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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 104

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der moderne Jude und der Staat
Date
1925-01-01
Page
104 (sequence 3)
Language
German
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Hans Goslar dürfen schaffen, dürfen Erstklassiges, Anspornendes, Mitreißendes auf vielen Gebieten leisten, dürfen ein Leben in den Dienst nicht etwa nur — was zuweilen ja höchst angenehm und einbringlich ist — der deutschen Wirtschaft oder Wissenschaft, sondern auch der große Ideale des Voiksganzen stellen und sich in dar vordersten Linie des schweren politischen Stellungskampfes beschimpfen und besudeln lassen — aber alles das deutscht sie nicht so ein, daß selbst diejenigen unter ihnen, die, wie gerade Falk, sich uneingeschränkt und ganz als Deutsche mit allen Rechtsansprüchen des tausend Jahre und länger auf rheinischer Erde sitzenden alteingesessenen Juden fühlen, sich frei machen können von Befangenheit. Von der Befangenheit, die ihnen immer wieder zuflüstert, daß ja für die andern, die Nichtjuden dieser Verstorbene doch der „Jude" war, und daß man es ihnen deshalb nicht oft genug zurufen kann, daß er deutsch war wie sie. So setzt überall das eifrige und gewiß aus innerer Überzeugung entspringende Bemühen der Juden von der durchaus aufrechten, männlichen Art Falks ein, den andern den Glauben einzuimpfen, zu dem sie sich, ach, nur so schwer und zögernd bequemen wollen: daß es einen Unterschied in der Art des Deutschseins, des sich deutsch Gebens und des sich deutsch Betätigens zwischen Juden und Nicht juden nicht oder doch nur in der Phantasie der Böswilligen gäbe. Das Ganze wäre nicht so seltsam, wenn nicht dieser tote Hugo Preuß, dieser überaus kluge, vornehme, gedanklich tiefschürfende und ideenreiche Mann ein so ausgesprochener Vertreter spezifisch jüdischer Geistig keit gewesen wäre, daß schon allein sein Vorhandensein und seine ganze Lebensarbeit den Beweis dafür mit erbringt, daß es sehr wohl eine ganz besondere Note jüdischer Art gibt, sein Deutschtum zu leben wie überhaupt sein Menschentum zu vollbringen. Das weitere Seltsame ist, daß gerade Juden es sind, die, obwohl sie all ihr geistiges Hochgefühl, ihre Leistungen und ihre Begabungen ihrem jüdischen Blut und jahrhundertelanger geistiger Hochzüchtung verdanken, diese Selbstverständlichkeit nicht wahr haben wollen. Und warum nicht? Weil sie fürchten, daß dieses Eingestehen einer besonderen jüdischen Art die Kluft zwischen ihnen und den andern, mit denen sie ehrlich eins sein wollen, vergrößern und sie als Fremdlinge erscheinen lassen würde. Und weil sie weiter von der irrigen Voraussetzung ausgehen, daß jede von dem kreuzbraven Durchschnitt abweichende Sondernote, die nun einmal in das deutsche Leben hineingetragen wird, nicht etwa nur andersartig (und darum doch übeiaus v. ertvoll) sein könne, sondern minderwertig sein oder doch als minderwertig empfunden werden müsse .Mag io4

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