Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Das auferstehende Land
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 101 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Das auferstehende Land Jesus Christus gelehrt halle. Durch sie konnten einst Barbaren, die nichts kannten, als einander auszurotten, dahin gebracht werden, daß sie einander duldeten. Die Einheit Europa konnte entstehen, die wir heute von neuem suchen und zu erreichen hoffen. In diesem Augenblick nun begründet ein Teil der Juden wieder einen neuen Staat, und ein anderer Teil vollzieht etwas wie innere Trennung von uns. Das Phänomen ist mehrdeutig. Es könnte einer der gewohnten Irrgänge des Weltgeschehens sein. Der Eine, Europa, wäre im Begriff, endlich menschlicher und reiner zu werden. Nationalistische und antisemitische Zuckungen würden nur noch bedeuten, daß ein Zeitalter ausgeht. Das neue steht vor der Tür, da bekommt der Andere, der Jude, es grade satt und verläßt drüben den Raum. Es wäre aber auch möglich, daß das Judentum — nicht die Juden insgesamt, nur ihr Geist und ihre Überlieferung — Europa jetzt verläßt, weil es hier seine Sendung beendet hat. Europäer, die ihr Menschentum gefunden haben, müssen an Jesus Christus nicht mehr gemahnt werden von der aus seinen Tagen übrig gebliebenen Gestalt des Juden. Modern gesagt: sie haben ihm keinen Internationalismus mehr vorzuwerfen, sie werden künftig internationaler sein, als er jemals war. Der Jude seinerseits, dem Verfolgung und Absonderung fehlen werden, kann sich schwerlich noch irgend einer Auserwähl theit rühmen, auch nicht der des Leidens, auch nicht der der irdischen Ewigkeit. Das Volk der Juden wird ein Volk unter anderen vergänglichen Völkern sein. Kein ungastlicher Haß erhält es weiter reinrassig, falls es dies in mehr als üblichem Masse bisher noch gewesen wäre. In seinem sehr irdischen, sehr zeitbedingten Land Palästina wird dies Volk sich entwöhnen von romantischen, geistig unmässigen Begriffen, die ihm als Erinnerung an Erlittenes jetzt noch anhängen. Nationale Selbsttäuschung ist selten naiver Stolz. Meist ist sie nur Andenken schlimmer Zeiten und Furcht vor schlimmeren. Juden, die ihre Freunde drüben ein großes und tapferes Werk beginnen sehen, fühlen und beteuern in Hoffnung und Sorge noch einmal alles, was ihnen in ihrer Seele über die schlimmsten Jahrhunderte hinweggeholfen hat, alle ihre gemeinsamen Irrtümer. Glauben sie sie darum auch wirklich? Der kluge und gütige Felix Saiten? Jehova hat doch nicht die Welt erobert. Haben die Juden ihr einen Gott gegeben, so ist es nicht der jüdische Nationalgott Jahve, den die Welt nicht kennt: es ist der Menschheitsgott,, erlebt und erfunden vom „Sohn des Menschen", nicht in Jerusalem, sondern in dem entlegenen Idyll Galiläas. IOI