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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Das auferstehende Land
Date
1925-01-01
Page
100 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Heinrich Mann Die Juden der ganzen Welt "können nicht alle begeistert sein. Nicht jeder Glaube ist stark, nicht jeder Sinn ist opferwillig. Es gibt Laue, Felix Saiten verwirft sie voll Leidenschaft. Aber die, die mit vornehmer Ruhe sagen: „in Jerusalem ist nichts los", scheinen doch verurteilt, endlich allein zu bleiben. Das Übergewicht der Assimilanten scheint bestritten, ihre Zahl in der Abnahme. Je aufgegangener vorher, umso enttäuschter jetzt. Daher dann Sehnsucht nach eigener Volksgemeinschaft auf angestammtem Boden. Es ist gewiß meistens nur ein Traum, etwas Unbeaufsichtigtes in Seelentiefen, kein ernster Wunsch, persönlich mitzutun. Gleichviel, dort hinten ist ein Ziel. Das Ziel ist also nicht mehr hier. Es ist nicht unbedingt hier. In jeder bewegten Stunde hat man vor Augen, was nicht hier und was1 dennoch die höhere Wirklichkeit ist. Dann fühlt man sich, mit allen pflichtgemäßen, staatsbürgerlichen Vorbehalten, hier doch beinahe verbannt. Felix Saiten erblickt Palästina und nennt das andere ,,Verbannung". Verbannung ist in seinem Falle Wien, Burgtheater, Neue Freie Presse, alles Verbannung. Ist dies Romantik, Spielerei und Symbol? Sehnt er sich, wie mancher Nichtjude auch, aus üblen Zeiten fort? Man zögert, zu glauben, eine neue Art Mensch offenbare sich. Da er sein Leben lang sich selbst auf den gleichen Wegen erlebt hat wie wir, muß doch wohl auch seine späte Sehnsucht europäisch bedingt sein? Gewiß; und dann tritt unversehens hinzu der Glaube. Vielmehr, er sammelt und verdichtet sich nur. Verstreut enthielt das Wesen des Mannes ihn längst. Er war von jeher gern bereit, an Menschen und ihre Werke zu glauben. Wir haben ihm zu danken. Schrieb er über uns, er war nicht der, der sich auf unsere Kosten in Szene setzte. Gestaltete er selbst, war alles weltfromm und ohne Falsch. Er liebte, wo es irgend ging. Er Hess bestehen, was sich grade noch hielt. Niemand achtete die Gesellschaft ehrlicher und höher; jeder revolutionäre Eingriff, dem er zusehen mußte, erfüllte ihn mit Scham. Ein konservativer Jude ist ein Mensch, dem die seelische Überlieferung seines Stammes, jene steinerne Ruhe des unwandelbaren Gesetzes, fester im Herzen hält, als alles, was Europa seit unvordenklichen Zeiten getan hat, um die Juden zu Empörern zu machen* Dieser ist es auch jetzt bei weitem nicht. Er sieht nur deutlicher als früher, was gegen Europa spricht. Das tun wir alle. Europa hat keinen Erfolg mehr, da bemerkt man vorwiegend Schwächen. Wir Europäer behalten aber dennoch Kraft genug, uns im Augenblick unseres bisher tiefsten Verfalles airf unseren Ursprung und ersten Kraftquell zu besinnen. Es ist die menschenverbindende Liebe, die IOO

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