Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Das auferstehende Land
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 102 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3101111-3101214-3101216-3110016--7725-3110160- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Hans Goslar Jesus war in Israel die Drohung und der Widerspruch. Es fürchtete ihn mit Recht als geistigen Urheber der Zerstörung des Tempels. Aber er kam aus Israel und ehrt seinen Ursprung. „Die Opposition ist immer ein Puihm ihres Landes," sagt Renan von ihm und Israel. Die Welt hatte nicht ausschließlich von Jesus den Monotheismus zu lernen. Die Vorstellung des einen Gottes und der göttlichen Vorsehung gehörte auch schon dem späten Hellenismus, allen gebildeten Römern, ja, dem Kaiser Ju.ianus, der das Christentum für einen Augenblick wieder abschaffte. Die Welt hatte von Jesus nur die Liebe zu lernen. Sie hat sie nicht gelernt? Nein, niemals zu Ende. Das Ideal, das endlos hinaufführen soll, hat keinen unwandelbaren Inhalt. Die Christen haben, infolge immer erneuter Irrtümer, einander Leiden bereitet und werden es weiter tun. Ist es darum so auffallend, daß sie auch die Juden leiden ließen? Das jüdische Schicksal, gehaßt zu werden und zu leiden durch die Jahrtausende, soll unfaßbar und einzig sein. Hätten sich nur nicht auch alle anderen gehaßt, verfolgt und getötet! Sind mehr Ketzer verbrannt oder mehr Juden? Wo fielen mehr Opfer, bei Pogromen oder in Kriegen und den Orgien der Machthaber? Felix Saiten ahnt in dem Haß, der die Juden so lange geschlagen hat, ein Mysterium. Es mag sein. Die natürliche Erklärung aber wäre, daß; Völker, die selbst ihre Zeit zumeist in Qual und Not verbracht haben, ihren grausamen Trost darin suchten, daß es Menschen gäbe, die ein für allemal geschlagen seien. Wo in Europa ein wenig mehr Menschenglück aufkam, ging es sogleich auch den Juden besser. Die Juden haben nicht allein gelitten, sondern mit uns. Das Land der Väter neu aufzubauen, ist ein schöner Vorsatz, aber auch er gehört nicht nur ihnen. Alle Europäer wollen es aufbauen. Es neu und besser aufbauen. Es freier und menschlicher aufbauen. HANS GOSLAR &tx moderne $ui>e ttnö öer Staat Anfang Oktober 1926 wurde Hugo Preuß zu Grabe getragen. Das charakteristischste Moment der imposanten Leichenfeier im Landtage war die Rede des Kölner jüdischen Justizrats Dr. Falk, des Fraktionskollegen des Verstorbenen. Falk betonte mit außerordentlicher Leidenschaftlichkeit, daß Preuß ein kerndeutscher 102