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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Das auferstehende Land
Date
1925-01-01
Page
99 (sequence 2)
Language
German
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Das auferstehende Land Dies könnte Überschwang der Ergriffenheit sein. Denn Felix Saiten erlebt das auferstehende Palästina in einer rauschhaften, überwältigenden Beglücktheit. „Ich bin am Ziel aller meiner Wünsche," sagt ihm ein junger Ansiedier, und es fehlt wenig, der Reisende wiederholte es selbst. Waren nicht auch viele der neuen Bauern seines alten Heimatlandes noch vor kurzem Intellektuelle wie er? Nach den geistigsten Gesprächen singt dies neue Bauernvolk am Abend hebräische Lieder. Es gibt wieder ein Volk, das im täglichen Verkehr hebräisch spricht. An uralte Gemeinschaft ist damit angeknüpft. Große Gestalten der Ahnenzeit treten von selbst in die altvertraute Landschaft, und die ärmste Hütte wird dem! Auge des Liebenden schön wie einst die Zelte Jakobs. Aber wir erfahren auch, daß 17 Millionen Juden, die Palästina nie sahen, dennoch beseelt sind von einer religiösen Idee, grade diesem Glauben an die Berufung ihres Volkes. Die Ansiedler drüben sind nur der kleinste Teil. Sie freilich haben Europa schon vergessen. Es heißt, sie dächten kaum noch an das hier Erlittene, die Blutbäder, die falschen Anschuldigungen, und daß sie im Verlauf der europäischen Katastrophe zuerst Opfervieh, dann Sündenbock sein mußten. Das alles liegt dahinten. Sie arbeiten — härter als gemeinhin auf Erden gearbeitet wird. Sie tragen mit ihren Händen Humus auf kahle Berge. Sie erliegen dem Sumpffieber, damit nur das Land gesundet. Sie werden aus feinen jungen Leuten zu armseligen Landarbeitern und bleiben tapfer. Sie setzen beim Ackerbau noch immer ihr Geld zu und bleiben fest. In den Gemeinschaftssiedelungen schlafen sie auf nacktem Lehmboden, indes über ihnen vielleicht ein Bild nach Cezanne hängt. Einsam und verloren auf weitem Feld, setzen sie sich der Kugel eines Arabers aus. Wenn diese nicht der Glaube erhielte, weh' ihnen! Außer ihnen aber, die ein kleiner Anfang waren, soll nun auch schon der ganze Rest der 17 Millionen Juden in verwandter Seelenverfassung sein. Über die ganze Erde verstreut, sollen sie dennoch verbunden sein und denselben, Umschwung der Seele mitmachen. Sie haben eine Heimat bekommen. 2000 Jahre lang hatten sie keine, jetzt winkt wieder in blauer Ferne ein kleines Land, — wo sie wohl nicht einmal alle Platz hätten. Aber es wird ihnen zum Zeichen, nach dem sie sich sammeln, ermutigen und ihre Zukunft vorausfühlen. Möglichenfalls wird es politische Zukunft sein. Vor allem ist es moraische, — und das macht des Lebens noch sicherer. Sind die Juden bis heute trotz allem glücklich durchgekommen, jetzt, mit Palästina vor Augen, erlauben sie keinem Feind mehr die geringste Hoffnung, mit ihnen fertig zu werden. 7 99

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