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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Jude und Franzose
Date
1925-01-01
Page
88 (sequence 4)
Language
German
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Leon Blum sehen Gemeinschaft verknüpft. Es gibt hier meiner Meinimg nach keine Schwierigkeit, und zu allen Zeiten haben Menschen ein Beispiel hierfür gegeben. Wir leben als Franzosen sehr ruhig und glücklich in Frankreich. Aber sollte das Gefühl] unserer Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft von diesem Gefühl der persönlichen Sicherheit so vollständig unterdrückt werden können, daß wir vergessen könnten, daß es in andern Ländern der Erde Juden gibt, die nicht so ruhig' und glücklich leben wie wir? Sollten wir das Werk vergessen, das zur Besserung der Lage der Juden anderer Länder notwendig wurde? Denn trotz allem war der Zionismus in seinem Ursprung keine nationale Rückforderung (revendication) — er ist es noch heute nicht —, er wurde aus dem Gefühl geboren und durch die Tatsache hervorgerufen, daß es notwendig sei, Millionen Juden, der großen Mehrheit des jüdischen Volkes, die in keinem anderen Lande normale Bedingungen der Anpassung und der Assimilation finden konnten, einen Winkel in der Welt zu sichern, wo sie das finden würden, was die diplomatischen Dokumente eine ,,nationale Heimstätte" nennen; und diese Heimstätte mußte man ihnen schaffen, da die Länder, in denen sie lebten, sie ihnen hartnäckig verweigerten, durch Gesetz oder in der Praxis. Kann man das vergessen? Kann man den Egoismus so weit treiben, um das zu vergessen? Kann man in seiner eigenen Ruhe und Sicherheit einen Grund sehen, das zu vergessen, das zu leugnen, das Gefühl der Solidarität zu verlieren, das uns mit weniger glücklichen, weniger gesicherten und in vielen Fällen sogar grausam verfolgten Juden verbindet? Der Sinn für die Realität ist eine der Gaben unserer Rasse. Der Jude anerkennt im allgemeinen die vollzogene Tatsache, nimmt sie hin und stellt sie als notwendige Gegebenheit in seine Überlegungen und Handlungen ein. Heule haben wir uns nicht zu fragen, ob man recht oder unrecht hat, Zionist zu sein, denn Z i o n existiert. Wir haben uns nicht zu fragen, ob es richtig oder unrichtig ist, eine solche Bewegung zu fördern und zu propagieren, denn diese Bewegung dient einer realen Sache, einem positiven Aufbau, und ihr Sein oder Nichtsein hängt nicht von uns ab, nicht einmal \on den Juden, welche sie zu tadeln imstande sind. Sie ist. Und da sie einmal ist, wollen wir, daß sie dauere? Liegt es in unserem Interesse als Juden, daß sie verschwinde? Und ist es im Interesse der f ranzösischen Juden, daß Frankreich bei diesem Werke abseits stehe? Und es wird abseits stehen, wenn sich die französischen Juden abseits stellen. Welches ist das Interesse, das strikte, egoistische Interesse der französischen Nation« an all dem? Es besteht darin, daß 88

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