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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 74

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Die Völker und die Juden
Date
1925-01-01
Page
74 (sequence 6)
Language
German
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Alfons Paquet der Deutsche, daß Deutsches zu ihm durch fremde Liebe kommt und die Spuren dieser Vermittelung an sich trägt, er empfindet, daß dadurch „die Auswahl und Schätzung unserer Bildungsgüter eine Verschiebung erfährt". Das gilt nicht nur für die Bildungsgüter. In dieser Zeit, wo das Wort von der natürlichen Spannung und dem Ausglich der Völker fast seinen Sinn verloren hat, gilt die Krise der Völker auch, für das Verhältnis des Deutschen zum Juden. Es wird immer die Fruchtbarkeit und die Geschenke dieser Spannung geben, aber hier ist eine Grenze. Das Übermaß der Spannung muß zu einem Bruche führen, der das Chaos vergrößert, wo nicht diese Spannung aus dem vollen Bewußtsein des Abstandes ein neues Maß, einen neuen Bogen, einen tieferen Sinn erhält. Aus dem instinktiven Vorgefühl der Weltsituation, in der die Völker und die Juden heute stehen, enstand der Zionismus. Vom Juden her gesehen ist der Zionismus ein Gefühlsausbruch, ein irrationaler Vorgang. Er entspricht jener Heimkehr nach Jerusalem als sich in der babylonischen Verbannung zum Entsetzen der Propheten das jüdische Volk von Ackerern und Gärtnern in eine Schar von Handelstreibenden verwandelte und sich in alle Örter der damaligen Welt zu zerstreuen begann. Auch von den Völkern her gesehen ist der Zionismus ein irrationaler Vorgang. Die Losungen des Zionismus sind so verschieden wie sie sich an alle Schichten des Judentumes wenden, an die besitzenden und an die nichtbesitzenden, an die gedrückten und an die freien, an die politischen und an die unpolitischen, an die religiösen und an die nicht religiösen, an die des Abendlandes und an die des Morgenlandes. Der Zionismus wird aus unendlich verschiedenem Zweifel als lebendig empfunden und aus unendlich verschiedenen Gründen immer wieder für tot erklärt. Aber über alle Formen und Motive des zionistischen Weges, über die unzähligen Hemmungen, die von innen und außen kommen, schreitet die Bewegung. Heute erscheint sie in der Parallele zu dem erwachten Nationalismus der Völker, morgen als ihr Gegensatz und ihre Ausnahme, heute als eine Absage und Abkehr von dem Wesen der Völker, morgen als die aus dem Innersten einer Volksganzheit geborene Tat, deren Sinn es ist, Übereinstimmung, Vertrauen, Gerechtigkeit zwischen den Völkern herzustellen. Sie erscheint als ein heiliger Versuch, jenen Staat vorzubilden, der nicht mehr das Haus aller dämonischen Plagen sein wird, sondern eine Gemeinschaft, die Stämme, Sekten, Anschauungen, Landsmannschaften unter dem Dach des einen Tempels sammelt und in sich ein Stück der homogenen Menschheit ist. Über allem Zeitlichen und auf die Dinge des Weges Bezogenen, das sich1 in der Politik des Zionismus ausspricht und den Zionismus überhaupt zur Politik macht, steht doch die Möglich- 74

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