Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Die Völker und die Juden
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Alfons Paquet niemals historisches Produkt ist, sondern mehr, nämlich den wahrhaft frommen, den weisen, den heroischen Menschen. Er ist keimhaft und in tausend Versuchen vorhanden. Und sein Glaube, der oft nur ein Gefühl ist, daß weder Rom, noch Hellas, noch Babylon genügen, daß sie nur die Bilder eines halben Weges seien, ruft die Gärungen und Konflikte der europäischen Geschichte von heute hervor. In diesem Suchen nach dem Sinn hat auch eine Umbildung des Verhältnisses der Juden zu den Völkern begonnen. Der Übergang war die Emanzipation der Juden, die Fortsetzung ist ihr Ringen um die Macht. Wohin nun immer das Bestreben der Völker führen mag, die scheinbare Sinnlosigkeit ihres bisherigen geschichtlichen Weges zu lichten, die Enscheidung wird darin liegen, ob es gelingt, ein prophetisches Verhältnis des Menschen zu den Dingen wiederherzustellen. Der Weg hinter den Phantomen, den falschen und irreführenden Propheten, die in das Schicksal der Völker immer wieder eingriffen, dieser blutige und fürchterliche Weg ist noch nicht zu Ende. Die Gedanken kreisen um die Frage, ob wahre Prophetie überhaupt möglich sei und worin sie bestehe. Wahre Prophetie setzt alle Dinge an ihren rechten Ort, sie umschließt das Gesetz und das Recht, sie fließt aus dem Gesetz, sie schafft das Recht. In dem Suchen nach einem prophetischen Verhältnis zu den Dingen, das ein Suchen nach der richtigen Tat ist, steht das deutsche Volk in der Gegenwart. Es steht damit in einer stetig wachsenden Spannung, in einem wachsenden Gegensatz zu einer zivilisierten Sphäre, an einem Punkte des Bewußtseins, das störende Element in Europa zu sein und doch nicht anders zu können. Es hat die Lächerlicherkeit, die Demütigungen, die Leiden dieses Zustandes auf sich genommen. Hier ist ein Volk, tief gezüchtigt durch den Niederbruch seines Staates, den es an der Stelle des mittelalterlichen Reiches, das ein heterogener Staat war, als ein neues Reich der nationalen Homogenität errichtete. Der Bestand dieses Reiches war kurz. Ein Gefühl ist vorhanden, daß alle Hände, die an der Arbeit sind, die Form, die Dichtung des niedergebrochenen Staates wiederherzustellen, voreilig sind. Die Dürftigkeit dieser Wiederherstellungen ist zu offenbar. Der heutige deutsche Staat ist kein Staat mehr. Es fehlen ihm alle Merkmale des Staates: der consensus der Bürger, die Autorität, die, verschließbaren Grenzen, die Sicherungen der bewaffneten Macht und der an einen Willen gebundenen Fernwirkung. Wir Deutschen sind weder eine Rasse noch eine Gemeinschaft, nicht einmal eine Hoffnung dazu. Wir sind ein Block von heterogenen Metallen, zusammengesetzt aus den Rassen, aber keine Rasse. Wir sind zusammengesetzt aus Gemeinschaften, aber keine n 2 i