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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Die Völker und die Juden
Date
1925-01-01
Page
71 (sequence 3)
Language
German
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Die Völker und die Juden schieden ist bisher, was eigentlich die zweitausend] ährige kirchliche Geschichte der Völker darstellt. Diente das Christentum \der Kirchen schließlich nur der heimlichen Erhaltung, der Verfälschung und Verhüllung ihres heidnischen Erbes? Oder war es nötig, um den Keim reifen zu lassen, der endlich an das Licht will und erst das Christentum sein wird? Für den Deutschen ist der Ausgang dieses Kampfes entscheidend. Er wird für ihn Leben oder Vernichtung bedeuten. Was aber hat der Jude mit diesem Kampf um die Entscheidung zu tun? Er wird ihn ablehnen, vielleicht ihn fürchten, vielleicht sogar ihn zu stören suchen. Hindern kann er ihn nicht. Jeder Eingriff in diesen Kämpf wird für ihn zu einem Teil seines Schicksals. Jene Auffassung nun, die sowohl der amerikanistischen des fair play wie; der europäischen des Gehenlassens und der Unklarheiten entgegengesetzt ist, mag die asiatische genannt werden, denn sie ruht in einem geistig-seelischen Element, das in seinen überlieferten Ausdrucksformen in die voreuropäischen Gesetztheiten zurückreicht. Das asiatische Verhalten hat mit den Beweisbarkeiten und den einleuchtenden Maximen des gesunden Menschenverstandes so wenig zu tun wie etwa das Kommando „Feuer ' im Gefecht mit dem Gesetzeswort „Du sollst nicht tötenDas eine ist die logische Folge unzähliger, in lückenloser Reihe aneinandergebundener Verursachungen, das andere ein Grundwort, das über allen diesen Verursachungen steht. Hier soll nicht der Versuch gemacht werden, etwas Geographisches in das Sittengesetz hineinzutragen, wir fühlen aber wohl, daß. das einfache östliche Wort stärker ist als das westliche. Der westliche Mensch ist voller Mutmaßungen und Versuche, zwischen den Energien, die ihn zerreißen, und dem Sinn des Lebens einen Zusammenhang herzustellen; die meisten seiner Versuche erweisen sich als irrig, als fadenscheinig, oft genug als töricht und ganz vergeblich. Wo immer eiserne Lebensformen als peinlich empfindet und es wagt, diesem Peinlichen auf den Grund zu gehen, findet er die alten Bilder. Seine straffe Organisation der Staaten geht auf das alte Rom zurück, seine Deutung des Schönen auf Hellas, seine Ökonomie auf das profitwirtschaftliche Händlertum der Randvölker des Mittelmeeres, — vielleicht waren die Phönizier nur ein Gemisch aus allen Völkern der alten vorderasiatischen Welt. Das Schöpferische des europäischen Menschen liegt in der unbesonnenen Kraft und Freiheit, mit der er das vielfältige Erbe aufnahm und es ins letzte zu dem Bild der heutigen abendländischen Welt gestaltete. Der Glaube, daß selbst in dem Labyrinth, das da entstanden ist, ein Grundplan verborgen liege, vermag auch in der westlichen Welt den Menschen hervorzubringen, der 7*

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