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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Die Völker und die Juden
Date
1925-01-01
Page
70 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Alfons Paquet zwar immer wieder durch den ganzen Einsatz ihres Wesens gegen die Umwelt aufrecht erhalten, aber auch durch die Bereitschaft dieser Umwelt, ihn aufzunehmen. Die Gefaßtheit der Juden, die Durchsetzung ihres Wesens in der äußeren Welt immer wieder durch Leiden und Opfer erkaufen zu müssen, ist ihre fortwirkende Disposition; sie stellt uns vor die Frage, wie denn eines Tages die Dinge aussehen werden, wenn nun dieser Prozeß der Einflüsse auf den Gebieten der sozialen Macht sich bis zu ihrem vollen Durchbruch fortsetzt. Wird es vorher ein Abbiegen geben? Oder wird der kühne Weg der Eroberung, die erkauft wird durch die Fähigkeit -des Leidens und des Verkündens, zum Ziele führen, auch durch die Katastrophen hindurch, die auf diesem Wege lauern? Denn die Gefahren der Gegenwirkungen häufen sich, je näher der Weg in die Bereiche der Macht führte der Einsichtige rechnet mit den Gegenwirkungen, die jeder Triumph herausfordert; er kennt die Grenzen des fair play, wo endlich der nackte Machtkampf übrigbleibt.; Diese sozusagen amerikanistische Betrachtung des jüdischen Problems muß irgendwo mit einem Achselzucken aufhören. Die Frage nach dem Ziel nämlich führt in jene Bereiche der Wirklichkeit, die der gesunde Menschenverstand am liebsten vermeidet, denn nur die philosophische und die religiöse Sphäre kennen die Frage nach einem Ziel jenseits der Realität des Konfliktes zwischen der Macht und der Bestimmung. Das von halbreligiösen Vorstellungen über und über belastete europäische Denken sucht ständig nach einem Ausweg aus dem Gemisch von amerikanistischen und asiatischen Betrachtungsweisen, in die es verwickelt ist. Noch erscheint die von aller geistigen Entscheidung weit entfernte liberale Auffassung des jüdischen Problems als typisch europäisch; aus der Nähe gesehen, hat aber wohl jedes europäisch© Volk seine eigene Formel, die sein Verhältnis zum Judentum ausdrückt und dazu dient, dieses Verhältnis schwebend zu erhalten. Die Formel bewegt sich zwischen Rationalismus und Mystik hin und her. Sie umfaßt Geduld und Bequemlichkeit in einer trügerischen Verbindung, sie stützt sich auf eine Ideologie, die zwar den wechselnden Stimmungen der Völker einigermaßen überlegen und irgendwie in der Ideologie der herrschenden Klassen, sogar in den Staatsverfassungen befestigt erscheint, aber sie beginnt ihre Kraft zu verlieren, je tiefer in den Völkern das Ringen um ihre eigene Seele wird. Der Ernst dieses Problems umfaßt auch den jüdischen Anteil an diesem Problem, er bejaht ihn oder stellt ihn in Frage. Mystik und Rationalismus, die in ihrem Gemisch einen Zustand der Lähmung und des Gehenlassens erzeugen, beginnen einen Kampf; miteinander, es ist, als suchten die Völker eine Entscheidung. Kein Wunder, denn unent- 70

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