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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der Weg zum Deutschtum
Date
1925-01-01
Page
68 (sequence 10)
Language
German
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Gustav Krojanker das Zwischending der gutgemeinten und gebildeten Forderung muß hier restlos versagen. Das deutsche Judentum hat immer nur gebannt auf das gesehen, was es sein sollte: nicht nach eigenen Gesetzen, sondern nach dem Urteil der Andern. Und das ist heute das Resultat: unerwünschte Eigenschaften im kleinen, der Dämon im großen, obschon auch er verniedlicht* das Göttliche aber verzerrt und entartet. Wenn dieser Weg zum Deutschtum also verfehlt war: welcher ist der richtige? Der Weg zum Deutschtum geht übers Judentum. Eine Anpassung an fremde Anforderungen gibt es im Großen und Entscheidenden nicht. Aber eine Wandlung gibt es, wie Schmitz tief, aber leider nacb der falschen Richtung ausführt. Denn auch eine Wandlung kann es doch nur im Rahmen, nur innerhalb der Möglichkeiten der eigenen Natur geben. Der Deutsche, der sich durch Schicksalsschläge wandelt, bleibt immer ein Deutscher; ja, man kann der Ansicht sein, daß sein deutsches Wesen, je mehr seine besten und tiefsten Kräfte durch solche Wandlung zum Durchbruch kommen, nur um so deutlicher hervortritt. Und auch der Jude kann bei aller Wandlung nur Jude bleiben; auch bei ihm kann die Wandlung aus der Halbheit zum Vollmenschentum sein jüdisches Wesen nur um so reiner hervortreten lassen. Schmitz hat recht, wenn er Wandlung für möglich hält durch „Erkenntnis der Ursachen bisheriger Hemmung und Lähmung". Aber er befindet sich in einem grundlegenden Irrtum, wenn er dabei das Judentum für die hemmende Ursache des Deutschtums hält. Es liegt umgekehrt. Der krampfhafte und seiner Natur nach unmögliche, jedenfalls im Entscheidenden unmögliche Angleichungsversuch an deutsche Art war die Lähmung eines wahren, erfüllten Judentums und damit Menschentums. An dem erfüllten Juden, an dem jüdischen Vollmenschen haftet nichts von all den Anschuldigungen, die ein roher und ein verständnisvoller Antisemitismus gleichermaßen erheben. Er allein ermöglicht jene Reinlichkeit menschlicher Beziehungen, die die Verschiedenheit zweier Veranlagungen zur fruchtbaren Synthese machen kann. Ob außer dem Zionismus und seinen Ausstrahlungen eine Setzung jüdischer Inhalte, vor allem also auf religiösem Wege, möglich ist; ob sie nicht vielleicht sogar schon in Vorbereitung begriffen ist; und ob nicht zwischen dem Zionismus und einem neuen jüdischen Erfülltsem scheinbar anderer Art tiefe innere Zusammenhänge geschichtlichen Werdens bestehen — ist ein Kapitel, das hier nicht zur Erörterung stehen kann. 68

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