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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 67

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der Weg zum Deutschtum
Date
1925-01-01
Page
67 (sequence 9)
Language
German
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Der Weg zum Deutschtum sprechen oder unausgesprochen an uns stellt, wenden sich gleich an den inneren Menschen und wirken, mögen sie noch so gut gemeint sein, gleichermaßen verkümmernd, weil sie der Natur des Menschen zuwiderlaufen, weil sie das Sein vergewaltigen und eben jene traurigen Zwischenprodukte schaffen, die uns nachher wieder zum Vorwurf gemacht werden. Schumann hat geglaubt, als ein Einzelner und Außenseiter an die Frage heranzugehen, ohne zu wissen, daß er tatsächlich nur die deutschen Forderungen eines Jahrhunderts zum Ausdruck gebracht hat. Und ebensowenig hat er gewußt, daß die Anschuldigungen, die er gegen die Juden erhebt, nur eine Folge jenes tragischen Zuges sind, ,,der über Menschen kommt, welche solche Forderungen allmählich erfüllen." Man ist nicht umsonst durch Generationen krampfhaft und selbstverständlich vergeblich bemüht, den natürlichen Grundlagen seines Seins Gewalt anzutun. Man gebe uns das Vertrauen, das wir verbreiten sollen; mau ermögliche uns eine Haltung, die bei der Masse nur würdig sein kann, wenn sie gewürdigt wird; man zeige uns, daß wir gewünscht werden, wenn wir freudig bejahen sollen; kurz, man vermenge nicht in unzulässiger Weise Ursache und Wirkung — dann werden zwar noch nicht alle unerwünschten Eigenschaften, aber die vermeidbaren, aus den Umständen erklärbaren und gerade damit die äußerlichsten, die anstoßerregendsten und hemmendsten allmählich tatsächlich beseitigt werden. Noch nicht alle unerwünschten Eigenschaften, denn es gibt andere, tiefere, unvermeidbare, die Schmitz glücklich den „Dämon" eines Volkes nennt. Nicht in diesen Zusammenhang gehört die Frage, ob Schmitz diesen Dämon zutreffend charakterisiert. Ich glaube, daß sich viel gegen diese Charakterisierung vorbringen ließe. Gleichviel, wichtig ist seine Erkenntnis von diesen tiefsten Grundlagen und Gegensätzen menschlichen Seins, die man hinnehmen oder ausrotten muß, und vor denen alle diese kleinen Gegensätze von erwünscht und unerwünscht, von schuldig und aufgegeben zu einem bedeutungslosen Nichts verblassen. Ja, in diesem Sinn gibt es den jüdischen Dämon, wie es den deutschen gibt. Und er ist in allen Fällen nur die Kehrseite des Göttlichen. Vielleicht daß in unserm Falle die Gegensätze besonders unvermittelt nebeneinander stehen: die Shylocks neben den Heilanden. Aber wir wollen uns das riecht auf unsere Shylocks nicht verkümmern lassen. Der liebe Gott hat uns nicht als Illustration zum Lied vom braven Mann gedacht. Und eine Verständigung bleibt ewig unmöglich, wenn man von uns fordert, wie wir sein sollen, statt uns in diesen tiefsten Dingen zu nehmen, wie wir sind. Ausrotten oder hinnehmen. Aber 5* .6,7

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