Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Weg zum Deutschtum
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 69 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3101111-3101214-3101216-3110009--7680-3110127- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Weg zurn Deutschtum Hier konnte es nur darauf ankommen, zu zeigen, daß die letzte Brücke, die wir gesucht haben, die Brücke zur Verständigung, Judentum heißen muß. Nicht weil wir es gern so wollen (obschon wir es gewiß auch gern so wollen),, sondern weil es der Natur der Dinge nach einen anderen Weg einfach nicht geben kann. ALFONS PAQUET Bit ©olf er unö i>tc 9Sui> en Der gesunde Menschenverstand hat seine -eigene Methode, über das jüdische Problem zu sprechen. Sie geht davon aus, daß die jüdische Beteiligung im Geldwesen, in den Literaturen und in den künstlerischen Dingen der Völker zuweilen wie eine fünfzigprozentige erscheint, während der jüdische Anteil an den Bevölkerungen ein Prozent oder weniger ist. Diese Tatsache hat in den Ländern, deren schicksalsmäßige Verbundenheit mit dem Judentum von jeher eine starke war und deren staatliche Idee jetzt in der Umbildung begriffen ist, auffällige Formen angenommen; sie ist in den Ländern des deutschen und des slawischen Bereiches akut. Dennoch kann man sich nicht an die Formen halten, unter denen das Judentum bei diesen Umwälzungen auftritt. Der jüdische Anteil an der russischen Revolution ist beträchtlich, er ist aber bei der Gegenrevolution kaum geringer, und in der kommunistischen Partei Englands zum Beispiel, die doch eine Schwesterpartei der russischen ist, sind fast keine Juden. Jn Schweden ruht die germanistische Wissenschaft fast ausschließlich in den Händen jüdischer Professoren; findet man in Deutschland noch da und dort eine lutherische Kirchengemeinde, did auf sozialen Gebieten lebendig ist, so wird man unter ihren Mitgliedern nicht selten Männer von jüdischer Abkunft entdecken. Der gesunde Menschenverstand ist für fair play, und er würde es für lächerlich erklären zu verlangen, daß sich der Einfluß der Juden im geistigen Leben der Völker auf das Maß beschränken solle, das ihrer Zahl entspricht. Selbst die Polizeimacht des kaiserlichen Rußland war nicht imstande, diese Forderung, die zur Maxime der Regierung geworden war, aufrecht zu erhalten. Auch die Quäker haben ja seit Jahrhunderten auf die kulturelle Geschichte Englands und Amerikas einen Einfluß gewonnen, der über ihre geringe Zahl weit hinausgeht. Dort ist eine Gruppe von Menschen zu Trägern einer Aktivität geworden, die nicht nur aus sich selber auf die Haltung der Umwelt einwirkt, sondern auch in eine passive Bereitschaft dieser Umwelt eingreift. So gilt auch von den Juden der Satz, daß sie ihren Einfluß 69