Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 32 (sequence 16)
- Language
- German
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Oskar A. II. Schmitz ist also eigentlich eine ganz besonders heftige Art der Weltbej a h u n g , aber mit negativem Vorzeichen. Der Buddhist wäre glücklich, wenn um ihn die Welt einschliefe, der Pharisäer wäre erledigt, wenn nicht um ihn immer wieder Leben Gestalt .annehmen wollte, denn dann hätte seine verneinende Lebensfunktion kein Betätigungsfeld mehr. Darum findet man auch so wenig Juden in den modernen, auf östliche Weisheit gerichteten Bewegungen. Ihre Unruhe würde den endgültigen Sabbath des Nirvana oder Tao nicht ertragen. Jene grundsätzlichen Verneiner waren es, die das unabhängige jüdische Königtum der Hasmonäer dem Pompejus zur Vernichtung empfahlen, denn eine weltliche Krone ist ein Greuel im Auge des Herrn, aber die römische Herrschaf t und hellenistischen Kultus konnten sie als eine Unzucht ebensowenig wollen, und noch weniger einen Christus. Sie sind der Geist, der stets verneint und verbergen dies unter ekstatischer Bejahung eines utopischen Seins, das nie werden kann, der Ankunft des Messias. Sie müßten sich wie Judas erhängen, wenn er wirklich käme, da sie des Jasagens völlig unfähig sind. Sie stellen nur einen Bruchteil der Juden dar, .ihre arischen Wahlverwandten sind die englischen Puritaner und gewisse deutsche Protestler, die weiter protestieren, wenn es gar nichts mehr gibt, wofür oder wogegen man protestieren kann. Ihre Dämonie verrät, daß sie dazu gehören, daß ohne ihre beständige Drohung das Ja nie Fleisch würde in dieser trägen Welt. Darum, ist selbst ihnen gegenüber der Antisemitismus eine Dummheit, zumal man mit Dummheit keine Dämonen besiegt. Wohl aber durch Erkenntnis! Wer den Namen des Dämons weiß, vermag ihn zwar nicht zu beseitigen, denn er stirbt nicht eher, als bis die Götter sterben, deren Gegenspieler er ist, man kann sich aber persönlich seiner Übermacht entziehen. Nicht, indem man nun ein einseitig weißes Schaf wird, ach nein, sondern sciens bonum et malum. Darum braucht der einzelne Jude nicht zum Vertreter dieses zerstörenden Dämons zu werden, wenn er ihn erkennt und dazu die fruchtbaren Seiten seines Judentums — dann entstünde die Synthese der fruchtbaren, belebenden Kritik — noch braucht der Arier den jüdischen Dämon zu fürchten, wenn er gerade in der Begegnung mit ihm sich seiner Substanz besonders bewußt wird, in der er so gern erstarrt. Der aber, welcher in dieser Welt die Geschäfte der Dämonen persönlich betreibt, beklage sich nicht, wenn er persönlich beurteilt wird nach dem Bösen, das er, wenn auch unbewußt, will, und nicht nach dem Guten, das er wider Willen schafft und das nicht seiner bewußt verfochtenen Utopie gleichen wird. Diese ist ja kein echtes Sein, sondern nur ein affektiv Yerfochtener intellektueller Schemen. Das echte Sein des 32