Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 33

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
Date
1925-01-01
Page
33 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3101111-3101214-3101216-3110006--7639-3110091
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden Pharisäers ist sein Nein. Da aber im Heiligtum des letzten Weltgeheimnisses, wie die Säulen Jachim und Boas vor dem Salomonischen Tempel, das Ja und das Nein als die Pfeiler allen Seins stehen, ohne deren nie aufzuhebende Gegenwirkung kein Leben möglich wäre, gehören auch die dämonischen Vernein er in den Weltplan, und darum webl auch um sozial und politisch unerwünschte Juden noch der kosmische Schauer der Tyche. WOLFGANG SCHUMANN ©eutfdjc uni> juötfdje „Sdjuiö" uni> 9lufga&e Die Aufgabe, vor einem jüdischen Forum über Judentum zu sprechen, kann einen deutschen Schriftsteiler wohl erschrecken. Nicht, weil sie schwierig ist, und weil bisher jüdische Autoren weit eindringlicher, scharfsinniger und kenntnisreicher über das Judentum geschrieben haben als deutsche, und weil daher ein sehr hohes Mindestniveau geschaffen scheint. Ich gedenke nicht, in Wettbewerb mit ihnen zu treten. Schwierig ist die Aufgabe vor allem, weil auch ein relativ selbständiger Kopf ständig durchschwirrt wird von Klischeewendungen, Urteilen und Charakteristiken, welche das öffentliche Leben bis in hochgebildete Kreise hinein beherrschen und wenn vielleicht nicht alle falsch, doch zu allermeist oberflächlich oder schief und ungerecht sind, weil sie isoliert auftauchen, ohne den Untergrund einer Yollanschauung von Judentum oder gar einer Gesamtanschauung von Mensch- und Volkstum schlechthin. Ich will hiervon ein kleines Beispiel geben. Oft wird vom „Rationalismus" der Juden gesprochen; diese Wendung nun macht auf viele Deutsche den Eindruck, als sei damit etwas zentral Charakteristisches, ja beinahe Erschöpfendes gesagt; und doch müßte sie ergänzt werden durch eine Abgrenzung der jüdischen Abart von Rationalismus gegen andere Abarten und untergründet werden durch eine Anschauung von der Bedeutung des Rationalismus für Leben und Geschichte; ohne dies bleibt die Wendung in der Luft hängen; wird sie in deutschen Kreisen gebraucht, so erweckt sie im redlichen Hörer zunächst die Sachfrage: Ist denn jüdischer Rationalismus anders als deutscher? und dann die Wertfrage: Schadet uns denn ein Einschlag von Rationalismus? Diese herumschwirrenden Worte zunächst einmal abzutun, habe ich als meine erste Aufgabe betrachtet. Ich versuche sie zu lösen, indem ich meine Äußerungen lediglich stütze auf die eigenste Erfahrung, auf das, was mein Verkehr mit Der Jude, Sonderheft, 5 33

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.