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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
Date
1925-01-01
Page
31 (sequence 15)
Language
German
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Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden. Hier kommen wir nun an einen Punkt, wo der Gegenstand zu groß wird, als daß noch der kleine menschliche Gegensatz von erwünschten und unerwünschten Juden ausreichen könnte. Wir befinden uns angesichts des jüdischen Dämons. Jedes Volk hat einen solchen, der dem Nachbar bei oberflächlich menschlicher Betrachtung als das schlechthin Unerwünschte erscheint, nach dessen Ausrottung man in Frieden leben könnte. Offenbar liegt solcher geruhsame Friede aber nicht im Sinne des Weltplans. Von der deutschen Geschichte aus gesehen, ist die französische Sucht nach gloire das einzige Hindernis der deutschen Einigung und Sicherung. Vom Westen aus gesehen, ist der deutsche Protestantismus als psychologische Einstellung, der längst seinen einstigen religiösen Anlaß überlebt hat, das einzige Hindernis für ein einiges Europa, und tatsächlich hat sich Deutschland immer wieder aus der europäischen Kultur isoliert, aus der mittelalterlich-katholischen, der humanistischen, der barockkatholischen; die Freiheitskriege sind ein Protest gegen das von Napoleon gewollte, die Deutschvölkischen gegen das heutige Europa. Zweifellos ist für den ganzen Kontinent England der dämonische Urheber des alles Leben mechanisierenden Kapitalismus, der seinerseits im Puritanismus wurzelt. Wenn ich also hier von dem bösen Dämon des Judentums rede, so tue ich das daher nicht im Sinn des antisemitischen Ammenmärchens, als seien die Juden die schwarzen, die Arier die weißen Schafe, sondern nur weil eben hier von den Juden, und nur in bezug auf sie von den arischen Völkern die Rede ist. Mögen alle die hier berührten Fehler der wurzellosen Juden mehr auf das Konto ihrer Entwurzelung, als ihres Judentums kommen, so gibt es doch schon im alten Testament die Anlage zu gerade dieser Dämonie, so wie lange vor Luther der Deutsche zu unfruchtbarem selbstzerstörerischem Prolestieren, der Franzose zu leerer Gloire neigte. Der böse Dämon der Juden ist das oben schon erwähnte, dem weltlichen Sadduzäertum immer entgegengesetzte Pharisäertum. Wohl ist es der Träger der Messiashoffnung, zugleich aber auch der Wächter darüber, daß ja kein Messias aufkomme. Der Messias muß irreal bleiben, darf nie gegenwärtig und hier sein. Das ist die spezifische, höchst gefährliche Form der jüdischen Weltverneinung, die sich sehr wesentlich von der indischen, viel konsequenteren und darum für die Nachbarn ganz ungefährlichen unterscheidet. Der Buddhist zum Beispiel zieht sich von der Welt zurück und läßt in sich subjectiv die Töpferscheibe zu Ende rollen, um dann in das Nirvana einzugehen. Das ist eine Privatangelegenheit, wenn auch von grandiosem Ausmaß. Der Pharisäer hingegen verneint die Welt aktiv, er sorgt dafür, daß möglichst nichts Gestalt annehme, und dabei treibt ihn ein dämonischer Affekt. Diese scheinbare Verneinung 31

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