Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 30 (sequence 14)
- Language
- German
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Oskar A. H. Schmitz sehen Gegensatz. Als Jung die psychischen Symbole als reale Seelen werte zu nehmen begann, wurde er als Mystiker abgelehnt von denen, für die sie „nichts als" analytisch reduktible Komplexe bedeuten. Jung hat dann meisterhaft das substanzlose, negative Denken seiner Gegner dargetan, das sich auch so oft im Alltagsleben findet, wo dieser selbe entwurzelte Geist des ,.Nichts als" jede Tat auf ein Geschäft oder eine erotische Triebfeder reduzieren möchte, während bei jeder intellektuellen Schlemihliade Substanz vorzutäuschen versucht wird. Die Gerechtigkeit verlangt festzustellen, daß dies ohne Ansehen der Rasse geschieht. Diese, den Geist zersetzende Schicht möchte nicht nur aus einem Toller, sondern auch aus Fritz v. Unruh einen großen Mann machen und lehnt den Zionismus ebenso ab wie etwa die Schule der Weisheit des Grafen Keyserling. Aus .dieser intellektuellen Schicht stammen nun auch die eigentlichen Umstürzler. Niemand kann leugnen, daß der jüdische Prozentsatz der Zerstörer in Rußland, Ungarn und Deutschland jenen entwurzelten Juden ein geradezu vernichtendes Zeugnis ausstellt. Gewiß haben sie den Sozialismus nicht erfunden. Im alten germanischen, wie im slavischen Recht findet er sich, aber jüdische Entwurzelte haben ihn vergiftet durch das Unsozialste, was es geben kann, den pharisäischen Klassenhaß. Ich glaube, die meisten gebildeten Juden würden instinktiv Marx und Lassalle ablehnen, wenn sie nicht Juden wären. In einer jüdischen Zeitschrift wurden neulich Marx, Moses, Christus und Spinoza die große jüdische Vierheit genannt. Gibt es irgendwo eine blindere Verfallenheit an das eigene Nationale? Marx und Lassalle hatten nur noch halbe Beziehungen zu ihrem angestammten Judentum und nur intellektuelle zu der sie umgebenden arischen Kultur. Da aber das Leben nicht still steht, muß der, dem Urbeziehungen fehlen, künstliche schaffen, und so sieht man den salbenduftenden Lassalle und den Talmudisten Marx die ihnen menschlich mehr als alles widersprechende Beziehung zu dem ihnen so fremden Volk suchen. Da es dem Volk nun wirklich schlecht ging und die Berufenen ihm nicht halfen, ist tatsächlich jene Synthese gelungen, welche heute die ganze europäische Kultur in Frage stellt, die Synthese zwischen realster Not und irrealstem utopischem Hirngespinst. Einerseits hat dadurch die berechtigte soziale Forderung eine verzerrte Gestalt angenommen, andererseits aber wird sie ebendadurch zum kaum mehr lösbaren Problem. Die entwurzelten Juden haben dem Proletariat ihr eigenes Ressentiment eingeflößt, so daß es nun nicht mehr eindeutig zu befriedigen ist, sondern vielfach, wie die Juden, ein Unrecht einer Befriedigung vorzieht, ja es herausfordert, weil jedes Unrecht ein Argument bietet für eigenes Duidertum gegen die Niedertracht der Glücklicheren. 7>°