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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 29

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
Date
1925-01-01
Page
29 (sequence 13)
Language
German
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Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden. scher Geist im Zustand äußerster Erstarrung erschien. Es ist immer noch besser, jemand bleibt sein Leben lang jaß das primitive Symbol verknüpft, als er gibt es auf, ohne seinen Sinn zu bewahren, oder er hat dieses Erlebnis nie gehabt. Dieses Urerlebnis des Kinderglaubens fehlt nun den Kindern nur noch nominell jüdischer Eltern. Meist mangelt ihnen auch das Erlebnis des Märchen* und des Mythos, denn, wo der Sinn für Religion fehlt, können alle Urbilder nur rationalistisch erklärt werden, so daß ihnen die so langweilig Belehrten bald Detektivgeschichten vorziehen. O, ich weiß, daß das heute in vielen nichtjüdischen Häusern nicht anders ist, aber außerhalb der Großstadt doch nicht als Regel. Immerhin genügt dies schon, um zu warnen, derartige Seelen Verarmung jüdisch zu nennen, sie ist vielmehr das Merkmal Entwurzelter. Da nun aber die große Mehrheit der gebildeten europäischen Juden tatsächlich entwurzelt, ganz besonders intelligent ist und das Schrifttum Beherrscht, werden sie zum jedenfalls sichtbarsten Träger dieses gottverlassenen Rationalismus, und in der Tat verführen ihre Kinder durch eine die Unreife faszinierende Scheinüberlegenheit viele arische Kinder, deren Eltern schon nicht mehr ganz sattelfest sind und keinen Halt mehr in eigener Lebenssubstanz bieten können. So geht von jenen wurzellosen Juden, die persönlich noch hoch achtbar sein können, ein sehr fragwürdiges Geschlecht aus, dessen Wesen die innere Beziehungslosigkeit ist. Das nun sind die ausgesprochen, auch den Orthodoxen und besonders den Zionisten unerwünschten Juden, die überall zersetzen, auflösen, untergraben. Rathenau hat sie in „Höre Israel" fast zu scharf kritisiert. Sie sind fähig zu besitzen, ohne die geringste seelische Beziehung zum Besitz, und das erlaubt ihnen, ein üppiges Leben zu führen und gleichzeitig Kommunisten zu sein. In solcher würde- und ethoslosen Form ist der Besitz freilich ein Übel und gibt den Argumenten gegen ihn einen Anschein von Berechtigung. Diese Beziehungslosen sind unter Umständen höchst gebildet und intellektuell und leugnen dabei den Geisl, der ihnen ein Produkt der Materie ist. Gewiß — ich wiederhole es immer wieder — gehen auch Arier genug diesen Irrpfad, aber den liberalen und sozialistischen Juden ist er der einzige Weg. Übrigens scheint das Wort Beziehungslosigkeit vielleicht nicht ganz treffend. Diese Entwurzelten leben sogar in einem Netz von mannigfaltigen Beziehungen, aber diese Beziehungen beziehen sich immer wieder auf andere Beziehungen, niemals auf etwas Wirkliches. Am deutlichsten wird dies in jener modernen Psychologie, die an Stelle der Seele die Psyche gesetzt hat als den Inbegriff der psychologischen Funktionen. Die Sezession der Züricher Psychoanalytikerschule von der Wiener kennzeichnet einen exquisit arisch-jüdi- 29

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