Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
Date
1925-01-01
Page
28 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3101111-3101214-3101216-3110006--7634-3110086
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Oskar A. H. Schmitz Erwachsene kein Glaubensbekenntnis ablegen, aber sie lassen durch die Taufe ihre Kinder in die Landeskirche aufnehmen. Natürlich tun sie das meist gedankenlos, aus rein konventionellen Rücksichten, und doch tun sie recht, denn die Taufe ist ein weit über seine kirchliche Bedeutung hinaus symbolischer Akt Er bedeutet die unveräußerliche Zugehörigkeit zu der oben erwähnten arisch-christlichen Jiuitursphäre, von der alle gebildeten Juden durchdrungen sind, nach deren sicherem Besitz sie sich sehnen, zu der sie sich nur nicht recht zu bekennen wagen aus Scheu, doch nicht voll genommen zu werden, oder aus einem Gemeng von Pietät und Eigensinn. Mögen sie doch wenigstens ihren Nachkommen diese Situation ersparen. Mit der Taufe müßte ihnen jedenfalls gestattet werden, zu etwaigen ehrwürdigen hebräischen Namen einen neuen Familiennamen hinzuzunehmen, während den Spott herausfordernde gar zu schöne oder gar zu häßliche Namen, die ohnehin kaum ein Jahrhundert alt sind, ruhig der Vergessenheit überliefert werden sollten. Mögen doch die entwurzelten Juden bedenken, wie sie ihre Kinder seelisch schädigen, wenn sie sie aus der Kultursphäre des Wirtsvolkes durch ein bloß noch nominelles Judentum ausschließen, ohne ihnen eine gleichwertige jüdische Erziehung geben zu können. Eine solche gibt es naturgemäß nicht, es fehlt, wie gesagt das jüdische Analogon zu jenem überkirchlichen Christentum der gebildeten Arier, dessen Bekenner die Kinder bis zur Firmung oder Konfirmation in die Kirche schicken, nach welchen Vorgängen ihnen dann Religion zur persönlichen Gewissensfrage gemacht wird; aber auch der junge Arier, der sie dann zunächst abschwören zu müssen glaubt, tut dies noch auf religiöse Art und behält sein Leben lang eine seelische Anlage zur Berührung mit dem Ewigen, die einem Menschen fehlen muß, der die heiligen Dinge nicht in frühesten Jahren in der sich an das Gefühl und Erleben wendenden Form des Glaubens, sondern in der sich an den Intellekt wendenden Form der Religionsgeschichte kennen gelernt hat O, über diese törichte Angst vor der Verdummung der Jugend oder des Volks durch Symbole, die ihnen das nicht Bewiesene, nicht zu Beweisende zum Erlebnis machen. Wie unvergleichlich wichtiger ist doch, dies Erlebnis überhaupt einmal gehabt zu haben, als die gewiß wünschenswerte spätere Loslösung vom kindlichen Symbol. Gibt es etwas Dümmeres, als das in den Schulen der Frau Lenin abgelegte Glaubensbekenntnis der Kinder: „Wir glauben an keinen Gott''? Notwendiger Weise werden doch die Kinder fragen, was denn das sei, woran sie nicht glauben dürfen, und nun muß es ihnen erst erklärt werden. Hier sieht man jüdischen Geist im Zustande äußerster Zersetzung — Frau Lenin ist der Typus einer intellektuellen Jüdin — so etwa wie im Preußengott" des Weltkrieges deut- 28

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.