Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 27 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3101111-3101214-3101216-3110006--7633-3110085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Wünschenswerte unr) nicht wünschenswerte Juden. zwei lieubündeln aufgibt? Weil sie ihn zum unerwünschten Mitbürger macht Er ist es, der durch die künstliche Aufrechterhaltung seines inhaltlosen Außenseitertums alle Segnungen der gesetzlichen Judenbefreiung zunichte macht. Man mag ihm entgegenkommen wie man will, niemand kann ihm von seinem Gram helfen, ein Jude zu sein, und da dieses Wort für ihn keinen Inhalt mehr hat, bedeutet es ihm halb unbewußt etwas Minderwertiges. Minderwertigkeitsgefühle werden aber nach einem von hervorragenden jüdischen Psychologen entdeckten Gesetz immer überkompensiert durch affektvolle Ichüberbetonungen. Krampfhaft klammert sich daher der entwurzelte Jude an diese Minderwertigkeit quand meme wie an ein gutes Recht und verlangt als der ewig Gekränkte besondere Rücksichten mit einer nicht selten die Koketterie streifenden Märtyrermiene, ja oft provoziert er Situationen, damit ihm ja Unrecht geschehe und von neuem bewiesen werde, welcher Passionsweg es ist, als Jude geboren zu sein. So erklärt sich das sinnlose Duldertum vieler Juden, die sich z. B. ohne die geringste politische Berufenheit 1918 in die Revolution gedrängt haben. Sie suchten masochistisch das Leid in der Hoffnung, dadurch tragische Größe zu gewinnen. In Wirklichkeit waren sie nichts weniger als unter einer Ananke stehende Helden, sondern einem psychischen Zwang erliegende Neurotiker, etwas, wofür gerade ihre Sprache ein so treffendes Wort hat: Schlemihle. Wer sich minderwertig fühlt, der ist es schließlich auch, wer durchaus Fremder, Ausgestoßener sein will, der wird es, und wenn ihm alle Türen offen standen. Daß sie sich angesichts solchen Treibens dann wieder schließen, ist die Schuld des Betroffenen selbst, aber das gibt ihm sogar eine ingrimmige Befriedigung, weil es ihm neue Argumente gegen die Bedrücker bietet. Ich schildere hier extreme Fälle. Die große Mehrheit der entwurzelten Juden sind harmlose Sadduzäer, menschenfreundlich und klug, oft freigebiger als Christen in ähnlicher wirtschaftlicher Lage; auch an ihnen nagt wohl der Schmerz der Nichtzugehörigkeit in manchen Stunden, aber wie ein chronisches Leiden, mit dem man sich schließlich abfindet Sie können gar nichts Vernünftigeres tun, als ihre Kinder taufen zu lassen, um ihnen damit dieses Leiden zu ersparen. Ich weiß, jene überkompensierten Juden werden in diesem Vorschlag, dessen ,,kommt zu uns" man wenigstens nicht antisemitisch nennen wird, abgesehen von seiner banalen Einfachheit, eine niederträchtige Zumutung der Gesinnungslosigkeit sehen. Das wäre er, wenn ich von Menschen einer tatsächlichen Gesinnung das Bekenntnis zu einer andern verlangte. Nun, ich verlangte nichts, ich empfehle aber jenen sadduzäisch weltlichen Juden dasselbe zu tun, was in ähnlichen Schichten die Arier tun. Sie selbst möchten zwar als 27