Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 26 (sequence 10)
- Language
- German
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Oskar A. H. Schmitz zierbarer psychischer Komplex, ein Affektbündel, das künstlich genährt wird, obwohl der ursprüngliche Anlaß dieser Affekte, die ehemalige Bedrückung der Juden, längst aufgehört hat — und um dieses Nichts willen, das muß offen gesagt werden, ist die moderne Judenfrage entbrannt. Man verzeihe mir hier den beileibe nicht persönlich zu nehmenden Vergleich mit Buridans Esel. Der entwurzelte Jude steht zwischen zwei Heubündeln, dem Judentum und der arischen Kultur, verhungert seelisch, wTeil er nicht weiß, an welcher er sich nähren soll. Der Schweizer Psychoanalytiker Dr. Jung hat festgestellt, daß derartige unentschiedene Situationen die Grundlagen vieler Neurosen sind, und daß man den Esel nur dadurch daraus befreien kann, daß man ihn dazu bringt, weniger an die Heubündel zu denken als an sich selbst und seinen Hunger. Dann wird er schon von der einen oder der andern Seite fressen, satt werden, sich selber und der Welt ein Wohlgefallen. Der entwurzelte Jude könnte nun zweierlei tun, entweder sich dem Zionismus zuwenden und eben aus seiner Skepsis heraus hier schöpferisch wirken, indem er ihn von seiner völkischen Schlacke befreite. Er könnte aber auch ohne pietätlose Aufgabe alter Erinnerungen entschlossen in jene christlich-arische Kultur Sphäre eingehen, in der er längst kein Fremder mehr ist, sich nur durch künstliche Abwehr fremd erhält. Daß dies möglich ist, beweisen Männer der Tat wie des Gedankens. Benjamin DIsraeli hat sein ganzes Leben lang seiner jüdischen Abkunft höchste Pietät gezollt, war dabei getaufter Christ und Engländer. Juden und Briten betrachten ihn heute als einen ihrer Größten. Er stellt eine Synthese dar zwischen Asien und Europa. Bergson hingegen ist gänzlich in den französischen Geist eingegangen. Auch Friedrich Gundolf ist unter den Mehrern arischer Kultur zu nennen. In seinem Caesarbuch zumal steht er hoch über allem jüdischen und teutonischen Vorurteil. Wie Disraeli hat er gerade aus liebender Fremdheit heraus die Werte der Gojim besser verstanden als die meisten, die selber drinnen stehen. Disraeli machte den Briten erst recht bewußt, worin ihre Größe lag, Gundolf hat die Geschichte des Ruhmes und des Einflusses des größten der Gojim mit geradezu kanonischer Gültigkeit geschrieben. Beide haben sich an arischer Kultur ersättigt, und darum sättigen sie wiederum den, der sich von ihrem Geiste nährt. In Stefan Zweigs „Kampf mit dem Dämon" (Inselverlag) befaßt sich ein Jude in liebender und darum fruchtbarer Art mit den größten arischen Problematikern, Nietzsche, Kleist und Hölderlin, und bringt sie dem Verständnis des deutschen Volkes näher, als sie ihm bisher waren. Was hat nun die arische Gesellschaft für ein Interesse daran, daß der entwurzelte Jude seine Stellung zwischen den 26