Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 25 (sequence 9)
- Language
- German
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Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden. leben bereicherten, andererseits aber dem modernen Juden, der es nicht mehr im orthodoxen Sinne sein kann, ebensowenig aber ein modernes Kulturleben mit dem primitiven in einem steinigen, spröden Lande vertauschen mag, ermöglichten, weiter mit einem achtunggebietenden, ja höheres Menschentum begünstigenden Inhalt Jude zu bleiben. Kurzum, in einem von „völkischer*' Schlacke befreiten Zionismus fände das Judentum etwas dem unkonfessionellen Christentum vieler moderner Arier Analoges. Warum eine derartige Entwicklung des Judentums auch ihre Wirts Völker in hohem Maße angeht, wird sogleich erörtert werden. Ich habe gezeigt, daß gerade der wahre Jude, d. h. der Jude, dem Judentum ein lebendiger Inhalt ist, unter Ariern ein wünschenswerter Mitbürger sein kann. Viel schwieriger liegt indessen der Fall bei einer andern Gruppe, die zwar an Zahl nicht allzu beträchtlich ist, aber, da sie fast die ganze jüdische Oberschicht umfaßt, soweit diese nicht zionistisch ist, den Haupteinfluß besitzt. Um sie handelt es sich recht eigentlich in der Frage des Antisemitismus. Es sind die Lauen,, von denen Jahwe selbst sagt, er habe sie ausgespieen aus seinem Munde, und darum ist es verständlich, wenn auch noch nicht berechtigt, daß es einen Antisemitismus gibt, der dem Beispiel Jahwes folgen möchte. Man wird gleich einwenden, auch die Mehrheit der Christen sei lau, aber einerseits sind sie das Wirtsvolk, das sein darf, wie es ist, weil es nirgends Aufnahme oder Anerkennung eines Sonderwertes erstrebt, außerdem bezieht sich diese Lauheit meist nur auf die äußere Kirche. Außer ihr gibt es aber eine arisch-christliche Kultur Sphäre, in der sie trotz kirchlicher Lauheit innig leben und weben können, in der ihre Kinder aufwachsen. Wie schon gesagt, nehmen die modernen Juden an dieser Sphäre viel mehr teil, als sie selbst bis zum Krieg wußten oder zugaben, ja man kann von dieser Sphäre ergriffen und dabei Zionist sein. Eine jüdische Kultursphäre aber gibt es außerhalb der Synagoge und des Zionismus nicht, weswegen so viele gebildete Juden vor dem Krieg einem Internationalismus anhingen, der das Nationale auch bei den Andern abschaffen wollte, während ein heute werdender Kosmopoiitismus gerade das vielfältig Nationale anerkennt und zusammenfassen will. Was aber bedeutet das weiter aufrecht erhaltene Judentum derer, die nicht mehr orthodox glauben, ebensowenig aber den Weg zum Zionismus finden können? Sicher würden ihrer viel weniger sein, wenn der Zionismus, wie oben empfohlen, sich ausgesprochener vergeistigen würde, denn gerade diesen besonders skeptischen Juden klingt seine völkische Note viel unangenehmer als den in dieser Hinsicht noch primitiveren Deutschen. Das Judentum dieser Schicht bedeutet genau genommen überhaupt nichts — ist ein auf Null redu- 25