Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 24 (sequence 8)
- Language
- German
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Oskar A. H. Schmitz vornehme Geister ist sie seit Herder, Goethe und Wilhelm von Humboldt selbstverständlich — scheint mir die zu sein, daß zwar das Nationale ein Wert von höchstem Rang ist, aber ein rein seelischgeistiger Wert. Mit Politik hat er so wenig zu tun, wie etwa Kunst und Wissenschaft, nämlich unmittelbar gar nichts. Nur wenn er beeinträchtigt wird, sind seine Vertreter zu politischem Verhalten gezwungen, um nämlich den Schutz gegen Beeinträchtigung zu erreichen. Sicher gibt es zwar ein unaufhebbares historisches Gesetz, nach dem ein zivilisiertes Volk den rohen Nachbar allmählich zu seinem Heile überwindet, wobei das Nationale sich immer in der Gestalt äußerer Eroberung geltend machen wird. Hätten dies etwa die Römer unterlassen — und es gab nicht wenige konservative Stimmen im Senat, die vor solchem „Imperialismus'4 warnten — so lägen vielleicht Kelten, Germanen und Iberer noch heute auf der Bärenhaut, söffen Meth und beteten zu ihren Naturdämonen, die kaum den Rang von Göttern beanspruchen durften. Anders aber liegt es zwischen Völkern von einigermaßen gleicher Zivilisation, in denen der Vorgang der Individuation wenigstens begonnen hat Dies ist nun heute bei sämtlichen Völkern Europas einschließlich der Juden der Fall. Hier ist daher jeder politische, auf äußere Ausdehnung gerichtete Nationalismus ein zerstörerischer Atavismus. Das politische Ziel sämtlicher europäischen Nationalismen muß als erreicht gelten, sobald die nationalen Minderheiten — wie längst die religiösen Bekenntnisse — in allen Ländern einen international garantierten Schutz erhalten haben. Man darf hoffen, daß der Völkerbund dies als eine seiner nächsten Aufgaben betrachten wird. Es ist tatsächlich gleichgültig, zu welcher politischen Gruppe man gehört, wenn man in jeder frei seine nationalen Werte auch nach außen verkörpern darf. Die Juden sind nun als solche nationale Minderheiten zu betrachten. Das schließt nicht aus, daß ihnen gleichzeitig das Mutterland Palästina wiederum zu eigen gegeben werde, aber schon die Tatsache, daß es ja nur einen Bruchteil von ihnen aufnehmen kann, macht es nötig, daß der Zionismus sich vergeistige, d. h., daß man Zionist sein kann, ohne sich körperlich in Zion zu befinden, ja sogar ohne den Wunsch dazu. Die Antwort des verstorbenen Pariser Rothschild auf die Frage, ob er Zionist werden wolle, war zwar witzig gemeint, ist aber mehr als ein Witz. Er sagte: „Ja, wenn die Zionisten mich zu ihrem Pariser Botschafter machen wollen". Man kann sich sehr gut in deutscher Landschaft zionistische Botschafter denken, deren Leib und Seele in ihr beheimatet sind, während ihr Geist in Zion wurzelt, ja dieser selbe Geist kann außerdem noch eine Wurzel in Weimar oder Wien haben. Mir würden derartige Juden tals sehr erwünschte Mitbürger erscheinen, die einerseits unser Geistes- 24