Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 23 (sequence 7)
- Language
- German
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Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden. der Fall sein, wenn der Zionismus sich ausgewirkt hat und geschichtlich nichts mehr bedeutet, so wie heute die arischen Massen das Christentum mit dem Materialismus vertauscht haben, nachdem er in den Schichten, wo die Geistesgeschichte sich abspielt, längst überwunden ist. Heute dagegen ist der Zionismus eine ausgesprochen histoxische Macht, und ebendarum ist mit ihm eine fruchtbare Auseinandersetzung möglich. Er stellt zur Zeit das zugleich echteste und lebendigste Judentum dar, und ebendarum gibt es gegen sein Dasein wie gegen jedes echte Sein keine Argumente. Im Einzelnen mag man ihm noch eine Mauserung wünschen, die ihn zur geistigen Vollreife führt. Ich sehe nicht ein, warum man den zionistischen Juden, der eine europäische Staatsangehörigkeit besitzt, anders behandeln sollte wie jeden naturalisierten Ausländer, der, ohne mit seiner Herkunft geistig zu brechen, sich seinem Wirtsvolk als Staatsbürger verpflichtet hat. Seine allgemein menschlichen Ideale sind ganz genau dieselben wie die eines Ideale besitzenden Deutschen, Franzosen oder Engländers, sein Ethos unterscheidet sich in nichts von dem europäischen. Er ist durchaus europäisiert, ja scheuen wir das Wort nicht: christianisiert. Ich meine das natürlich nicht im Sinne des Buchstabenglaubens, den der gebildete Deutsche ebenso wenig mehr besitzt; aber die Gefühlsentwicklung*, die das Christentum dem heidnischen Europa gebracht, haben die Juden genau so mitgemacht, wie die konfessionell dem Christentum verbundenen Europäer, und diese Gemeinschaft ist bedeutend realer als die immer im Nebelhaften wurzelnden Ptassen Verschiedenheiten. Wie weit sind die deutschen Juden überhaupt noch Semiten? Etwa so weit, wie die Deutschen Germanen sind. Es gibt eine Rassentheorie, die so viel für sich hat wie jede andere, nach der im frühen Mittelalter ein südrussischer Stamm, von dessen Herkunft man nichts weiß, zum Judentum übergetreten sei; von jenem sollen die meisten über Polen gekommenen Juden abstammen. Bei vielen Juden findet man Hetiterschädel und bei vielen Sachsen Mongolenschädel. Alles das ist vag und wenig belangvoll, aber die gefühlsmäßige Christianisierung des jüdischen Ethos ist Tatsache, ja mancher Jude ist christianisierter als viele Arier, die im Grund Heiden geblieben sind. Was man dem Zionismus dagegen vorwerfen kann, ist, daß er von den völkischen Ariern den rohen heidnischen Stammeskult angenommen hat, der für ihn eigentlich ein Atavismus ist aus der Zeit, als Jahwe noch ein heidnischer Götze war, nicht gar so viel besser als seine Nachbarn, der Bai Peor oder der Dagon. Die nächste zur Massenverbreitung fällige Erkenntnis — für 23