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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 19

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
Date
1925-01-01
Page
19 (sequence 3)
Language
German
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Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden. mir persönlich zu meiner Legitimation, daß ich in einem jüdischen Blatt über, ja stellenweise gegen die Juden schreibe. Zunächst einiges wenige über die Argumente des so leicht widerlegbaren und doch unüberwindlichen, primitiven politischen und religiösen Antisemitismus. „Was in aller Welt", so fragt sich z.B. Herr Wulle, „was haben die Juden in Europa zu schaffen, sie gehören nach Asien." Herr Wulle — dieser Name als Gattungsbegrif f genommen — vergißt eine historische Kleinigkeit, daß nämlich eines Tages der Kaiser der Gojim durch seinen Sohn das Land der Juden erobern und ihre Hauptstadt zerstören ließ. Also: die Juden haben ein Piecht zu erklären, daß die Gojim den Hader angefangen haben. Auch der religiöse Einwand, die Juden hätten den Heiland der Gojim gekreuzigt, ist falsch. Nie haben sie so etwas getan, dergleichen liegt ihnen gar nicht. Sie haben vielmehr einen jüdischen Rabbi getötet, der verfängliche Dinge sprach, z. B. er sei der König der Juden; und Könige mögen sie nun einmal nicht. Eine rein interne, jüdische Angelegenheit. So hat sie auch der einzige klar- und kahlköpfige Mensch aufgefaßt, der dabei war: Pontius Pilatus. Diese Kreuzigung eines heiligen Mannes befleckt natürlich die Hände der Juden, aber dergleichen lastet auf den Gewissen alier Völker. Daß dieser heilige Mann später der Heiland der Gojim wurde, geht die Juden gar nichts an, und obendrein wurde er das erst durch einen andern Juden, nämlich Paulus. Die Kreuzigung Christi belastet die Juden nicht mehr, als etwa die Ermordung Landauers und Rathenaus die Deutschen. Verblendung und Fanatismus gibt es bei allen Völkern, und wenn heute die Kommunisten etwa aus Landauer nachträglich einen Heiland machen wollten, so hätten darum die Deutschen noch lange nicht einen Heiland umgebracht, ganz abgesehen davon, daß Landhauer kein Heiliger, sondern ein schwacher, verworrener Mensch, der Rabbi Jeschua aber wirklich ein Heiliger und Erleuchteter war. Also die Juden treten nicht als ein schuldiges, sondern als ein unglückliches, vertriebenes Volk in die Geschichte Europas ein. Gerade die Fehler, die man ihnen mit Recht vorwerfen kann, sind vorwiegend nicht jüdische Fehler, sondern bittere Früchte, wie sie gewisse Zustände in jeder in sie hineingeratenden Menschengruppe entwickeln würden. Diese Fehler sind aber nun da. Es bringt die Juden so wenig weiter, wenn man sie immer wieder durch das Ghetto entschuldigt, als die Deutschen, wenn sie stets wiederholen, dank ihrer ungeschützten Lage hätten sie sich einseitig militärisch und weniger politisch und zivilisatorisch entwickeln müssen als die Westvölker, weshalb sie denn so seien wie sie sind. Es ist gewiß gut, wenn man sich die Herkunft seiner Fehler erklären kann, falls aus diesem Verstehen der Antrieb genommen wird, sie nun i9

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