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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 18

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Wünschenswerte und nicht wünschenswerte Juden
Date
1925-01-01
Page
18 (sequence 2)
Language
German
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öskar A. H. Schmitz unter der schweren Enttäuschung über unsere Führer mit mehr Heftigkeit, als ich heute hilligen kann, aber wie ich glaube, sachlich zutreffend, das Deutschtum einer eher noch schärferen Kritik unterwerfen zu müssen glaubte, mache ich nun schon ein Lebenlang nie einen Hehl daraus, daß ich von mütterlicher Seite selber jüdisches Blut mitbekommen habe. Ich hätte das sehr gut verleugnen können, da ich einen rheinischen, christkatholischen Namen trage und mein Äußeres auch die argwöhnischsten Rassenschnüffler bisher niemals die semitische Blutquote hat entdecken lassen. Noch harre ich der Stunde, da sich Professor Bartels auch bei mir seinen Most holen wird. Jedenfalls würde ich, wenn mir heute eine Fee die reine arische Abstammung mit rückwirkender Kraft verleihen wollte, dankend ablehnen, denn ich brauche das Stück Semitentum, das mich geschichtlich älter macht als die reinen Deutschen, für die Entwicklung meiner individuellen Entelechie, wie das Stück Arier tum, das mich seelisch naiver macht als die Juden. Freilich hat es keine geringen Kämpfe und Niederlagen gekostet, bis dieser Gegensatz in mir aus dem Stadium der Selbstzerstörung in das der Befruchtung gelangt ist. Meinem Glauben an den jüdischen Geist habe ich, ehe jener Kampf noch in mir zu Ende gekämpft war, Ausdruck gegeben in meiner Biographie Disraelis, dem ich mindestens denselben Rang wie Bismarck gebe, und dessen fragwürdige Jugend ich mit der Casars zu vergleichen für erlaubt halte. Was ich an Disraeli preise, ist sein von den wahren Mächten der Geschichte und des Lebens überhaupt getragener Konservatismus, der von vielen heutigen Juden, welche die Berührung mit dem Werdensschoß verloren haben, genau so wenig verstanden wird, wie von heutigen Deutschen, deren Konservatismus sich auf nicht viel mehr als die eigene zufällige Kinderstube bezieht. Mit der Darstellung solchen konservativen Geistes habe ich mich daher zwischen zwei Stühle gesetzt. Die Deutschen und die Juden fanden mein Buch teilweise sehr zutreffend, teilweise zum heftigsten Widerspruch herausfordernd, d. h. jeder wurde gerade durch das zum Widerspruch gereizt, was dem andern gefiel. Schade, sagten die einen, daß so viel politischer Verstand auf die Person eines Juden bezogen wird. Schade, sagten die andern, daß ein solcher Verehrer jüdischer Größe zugleich so ein hoffnungsloser Reaktionär ist. Ich fürchte, daß ich mich mit diesem Aufsatz wiederum zwischen zwei Stühle setzen werde, aber ich kann es nicht ändern. Ich muß die Welt polar sehen, und wenn man sich von den beiden Stühlen weder den einen noch den andern wegziehen läßt, hat solch eine Lage den grossen Vorteil, daß man mehr Raum hat, als die, welche auf unbestrittenen Lehrstühlen ein Leben versitzen müssen. So viel von 18

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