Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der Jude in der deutschen Gegenwart
Date
1925-01-01
Page
4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3101111-3101214-3101216-3110003--7605-3110062
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Arnold Zweig die Pilgerväter, in England auf Auswanderung nach Amerika sannen; auf eine Aufgabe überpersönlicher Art, die von ihm Selbstverleugnung, Denken ans Allgemeine, Hingabe an ein Größeres als das individuelle Ich verlangt und diese Eigenschaften in ihm nährt. Solche Einstellung hat. selektive Kraft, sie züchtet, und zwar mit dem Blick auf Unterordnung der egoistisch engen Triebe, Dienst am öffentlichen Wesen. Weiterhin bringt sie ins Herz des ihr ergebenen Juden Gleichgewicht sein Judentum betreffend, die ruhige und heitere Würde eines Menschen, der mit seinen natürlichen Gegebenheiten im Reinen ist — hinter sich lassend sowohl die bedauernswerte Selbstentwürdigung jener Halbkranken, die rasend loszukommen versuchen von einer Sache, die sie selber sind, und über sie denken, als hätten sie den Kot gegessen, den ihre Feinde auf sie warfen, wie auch die exaltierte Narretei jener Auserwählten, die sich im Stillen schadlos halten für eine öffentliche Entwürdigung, der sie nicht männlichen Kampf, sondern eunuchische Fisteltöne des Selbstlobs entgegensetzen. Die Frage ist, ob diese Zionisten, die es gibt, im öffentlichen Leben derjenigen Volksgemeinschaften, in denen sie geboren wurden, zum Abseitsstehen und Schweigen verurteilt sein sollten — diese Frage aber ist mit ihrer Stellung schon beantwortet Dennoch werde sie untersucht, indem die allgemeinere Frage nach der Haltung des Juden, prinzipiell, in der nicht-jüdischen Gegenwart, angerührt werde. Der Jude gehört, soziologisch gesehen, zu einer Gemeinschaft, der die allgemeinen Bürgerrechte erst spät, sehr widerwillig, oft nur scheinhaft, in vielen Staaten der Welt bewilligt wurden. Damit steht er in diesen Staaten von Rechts wegen in einer Front mit allen anderen, um ideeller (Denkart) oder materieller (Herkunft, Klasse) Ursachen willen befehdeten und rechtsungleichen Gruppen. In jedem Volke, das auf demokratischem Empfinden sein Staatsleben baut, (England, Amerika, Holland, Frankreich, die Skandinavenstaaten u. s. f.) ist die Frage nach der R.olle des Juden in der Öffentlichkeit vollkommen beantwortet. Ganz anders ist es um seine Aufnahme in die Gesellschaft bestellt, wie jeder Kenner weiß; aber die Wahrung gesellschaftlicher Absonderung bei öffentlicher Gleichstellung, die Entleidenschaftlichung der Politik und des geistigen Lebens — um solch scheußliches W^ort einmal durchgehen zu lassen — bei um so persönlicherer, in guten Formen sich haltender Ummauerung der privaten Seinszonen ist ja ein Zeichen politischer Reifung, das aus gewissen Durchgangsstadien des englischen und französischen Lebens wohlbekannt ist. 6. Sehen diese Gebilde, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, in einer bestimmten Form konsolidiert aus, von Außen her betrachtet 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.